Julio Furlan, Lyndhurst Centre, Toronto Rehabilitation Institute, University Health Network, Toronto, Canada

Wie wirkt FES in Kombination mit Gangtraining bei der Rehabilitation von paraplegischen Patienten

Gefördert in: 2016, 2017, 2018


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Problem: Definieren einer geeigneten und zeitgerechten Behandlung zur Verbesserung der Lauffunktion von rückenmarksverletzten Patienten

Angriffspunkt: Neuroplastische Veränderung infolge FES in Kombination mit spezifischem Gangtraining

Ziel: Verbesserung der Lauffunktion von paraplegischen Patienten

 

Wiederherstellung der Gehfunktion ist für rückenmarksverletzte Patienten von hohem Wert. Für viele paraplegische Patienten besteht die Möglichkeit durch eine geeignete und zeitnahe Behandlung ihre Lauffunktion wiederzuerlangen. Klinische Studien am Lyndhurst Rehazentrum in Toronto, die eine funktionelle Mehrkanal Elektrostimulations-Therapie (FES-t) in Kombination mit einem spezifischen Bewegungstraining bei tetraplegischen Patienten untersuchten, erbrachten eine verbesserte Handfunktion. FES-t erzeugt durch elektrische Impulse Muskelkontraktionen. Es gibt immer mehr Hinweise auf die Wirksamkeit von FES-t, wobei der genaue Wirkmechanismus noch weitgehend unbekannt ist.

Die Hypothese ist, dass FES-t in Kombination mit Gangtraining, bei dem der Patient durch einen Auffanggurt unterstützt wird, zu funktionellen Veränderungen (von z.B. elektrophysiologischen und fMRI Werten) führt, und sich diese Änderungen im Nervensystem widerspiegeln. Diese Anpassungen gehen mit einer Gangverbesserung und verminderten Beeinträchtigungen der Patienten einher.

Das Projekt beinhaltet

1)         Eine systematische Literaturanalyse unter dem Aspekt i) der elektrophysiologischen Veränderungen in Nervenbahnen nach Rückenmarksverletzung, und ii) die neuroplastischen Veränderungen (Reorganisation) von Nervenbahnen, die mit der FES-t, die für die Gangrehabilitation benutzt wird, einhergehen.

2)         Eine prospektive Studie, die die möglichen elektrophysiologischen Antworten und neuroplastischen Veränderungen durch FES-t in Kombination mit spezifischem Lauftraining in der frühen Rehabilitation untersucht. Es werden 10 Patienten mit traumatischer, subakuter (1-6 Monate), motorisch inkompletter thorakaler Rückenmarksverletzung eingeschlossen. Alle Patienten erhalten 40 Behandlungen mit FES in Kombination mit einem spezifischen Lauftraining. Vor und nach dem Training werden klinische Parameter, elektrophysiologische Werte und funktionelle MRI Analysen erhoben.

Dieses Projekt adressiert wichtige Aspekte einer Rückenmarksverletzung wie

•          die Neuroplastizität, die durch FES-t in Kombination mit Lauftraining ausgelöst wird

•          die Entwicklung eines Protokoll zur neurophysiologischen Beurteilung von paraplegischen Patienten

•          Erhebung von Schlüsseldaten für zukünftige klinischen Studien mit FES-t