Rahul Sachdeva und Andrei Krassioukov, ICORD, University of British Columbia, Vancouver, Kanada

Transkutane Rückenmarksstimulation zur Wiederherstellung autonomer Funktionen

Gefördert in: 2021, 2022, 2023


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Problem: Schwerwiegende Beeinträchtigung von Blutdruck, Blasen- und Darmfunktion
Ansatzpunkt: Potential nicht-invasiver Rückenmarksstimulation testen
Zielsetzung: Breite klinische Anwendung der Rückenmarksstimulation

Eine Querschnittverletzung kann schwere negative Folgen auf Blutdruck, Blasen- und Darmfunktion haben. Diese Auswirkungen beeinflussen alle Aspekte des Lebens nach der Verletzung. Das betrifft auch die allgemeine Gesundheit und die Lebenserwartung. Die zunächst nicht greifbaren Komplikationen sind bisher zu wenig untersucht, obwohl Patienten Ihnen höchste Priorität zuschreiben.

Die Fehlregulation des Blutdrucks nach einer Querschnittslähmung bringt einen extremen Jojo-Effekt mit sich. Der Blutdruck kann zwischen gefährlich niedrigen und stark erhöhten Werten schwanken. Einem Patienten widerfährt dies manchmal mehrfach am Tag.

Zudem stellen Speicherungs- und Entleerungsschwierigkeiten bei Blase und Darm große Herausforderungen im Alltag dar. Sie wirken sich sehr negativ auf die Lebensqualität aus. Beispielsweise kann der Toilettengang deutlich erschwert sein und zwei Stunden benötigen. Während schon diese Funktionsausfälle an sich eine große Einschränkung mit sich bringen, kommt noch hinzu, dass die angegriffenen Netzwerke im Rückenmark diese Problematik noch weiter verstärken. Beispielsweise sind normale Reize aus Blase und Darm bei Betroffenen die häufigsten Auslöser für rasche, lebensbedrohliche Blutdruckkrisen.

Die derzeit zur Verfügung stehenden Lösungsansätze zielen lediglich auf das Management der Beschwerden ab und münden nicht in wirklicher funktioneller Wiederherstellung. Elektrische Stimulation des Rückenmarks über chirurgisch implantierte Elektroden hilft, autonome Funktionen nach einer Querschnittsverletzung wiederherzustellen. Jedoch ist das chirurgische Vorgehen mit Implantation von Elektroden und eines Stimulators invasiv, kostspielig und mit Risiken verbunden. Darüber hinaus ist es nicht möglich, nach der Implantation den Stimulator neu zu positionieren. Dies ist eine nicht zu unterschätzende Einschränkung der Flexibilität dieser Methode.

Das Ziel dieses Projektes ist es, das Potential der nicht-invasiven Rückenmarksstimulation mit Oberflächenelektroden zu testen. Es soll die Wiederherstellung von Blutdruck-, Blasen- und Darmfunktion in einem klinisch relevanten Querschnittsmodell an Ratten erfolgen. Darüber hinaus geht es um die zugrundeliegenden Mechanismen und eine breitere klinische Anwendung der Rückenmarksstimulation. Hiermit soll sich die Lebensqualität von Querschnittspatienten verbessern.