Norbert Weidner, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg, Deutschland

NISCI-Studie: “Nogo Inhibition in Spinal Cord Injury” Studie bei akuter Querschnittverletzung

Gefördert in: 2019, 2020, 2021, 2022, 2023


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Problem: Körpereigenes Protein Nogo-A verhindert Erholung beschädigter Nervenfasern

Angriffspunkt: Antikörper gegen Nogo-A soll Nervenwachstum und Funktionsverbesserung nach akuter Querschnittverletzung fördern

Ziel: Wirksamkeitsnachweis durch eine europäische Multi-Center-Studie

Diese Patienten-Studie untersucht eine neue Behandlungsmethode bei akuter Querschnittverletzung. Eine solche Verletzung unterbricht Nervenfasern des Rückenmarks und damit die elektrische Weiterleitung zwischen Gehirn und den unterschiedlichsten Körperteilen. Abhängig vom Ort der Schädigung, Art und Schweregrad der Verletzung kann dies zu Funktionsverlusten führen wie beispielsweise der Bewegung, Empfindung oder Kontrolle der Blasenentleerung. Im Anschluss an eine Verletzung des Nervensystems produziert der eigene Körper ein sogenanntes Protein Nogo-A, das die Erholung von beschädigten Nervenfasern verhindert.  Dieses Protein blockiert damit einen wichtigen Schritt, um Nervenfunktion wiederzugewinnen.

In dieser klinischen Studie wird ein Antikörper (NG-101) verwendet, der das Protein Nogo-A blockiert und dafür sorgen soll, Nervenwachstum zu ermöglichen. Somit könnte ein Schritt getan werden, um einen kürzlich erlittenen Rückenmarksschaden zu lindern.

Wirbelkörper und Bindegewebe bilden einen Kanal, den Spinalkanal, in dem das Rückenmark liegt. Das Rückenmark, ein Teil des zentralen Nervensystems, ist wie das Gehirn umflossen von Nervenwasser. Im Rahmen der klinischen Studie wird der Antikörper (NG-101) direkt in das Nervenwasser gegeben.

Die Studie soll den Nachweis erbringen einer verbesserten Wiederherstellung verletzter Nervenfasern und damit einhergehend eine klinische Verbesserung von Funktion der Bewegung und Empfindung und von Aktivitäten des täglichen Lebens. Darüber hinaus könnte sich die Pflegebedürftigkeit reduzieren lassen durch die Wiedergewinnung von Mobilität und Empfindung.

In Deutschland und in der Schweiz waren 52 Patienten in eine vorangegangene Studie eingeschlossen. Eine gute Verträglichkeit der Studienmedikation erwies sich bereits in dieser Studie.

Die aktuelle Studie überprüft nun das Wirkungsprinzip und soll zusätzlich Sicherheitsdaten zu unerwünschten Wirkungen erbringen. Die bislang 15 eingeschlossenen Patienten haben die Dosis und die Methode der Verabreichung in dieser Studie gut vertragen.

Geeignet für eine Teilnahme an der Studie sind Patienten, die eine akute Querschnittverletzung (bis 28 Tage nach Verletzung) mit kompletter (keinerlei erhaltene Funktion unterhalb der Rückenmarksschädigung) oder inkompletter (einige erhaltene Funktionen unterhalb der Rückenmarksschädigung) Funktionseinschränkung erlitten haben.