Lumy Sawaki, University of Kentucky, Physical Medicine and Rehabilitation, Lexington, USA

Neuromodulation verbessert die Handfunktion bei Tetraparese (IGNITE trial)

Gefördert in: 2019, 2020, 2021


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Problem: Der Verlust von Arm- und Handfunktion schränkt das Handeln elementar ein. Derzeit gibt es keine Therapie dafür

Ansatzpunkt: Nicht-invasive Hirnstimulation verbunden mit Motortraining 

Zielsetzung: Motorik, Marker der Neuroplastizität und Lebensqualität positiv beeinflussen

 

Jedes Jahr gibt es weltweit mehr als 250.000 neue Fälle von Querschnittslähmung. Weniger als 1% der Patienten genesen vollständig. Nahezu zwei Drittel erleiden eine Lähmung vom Hals abwärts. Der Verlust der Armfunktion nach einer sogenannten zervikalen Querschnittsverletzung kann das grundlegende und unabhängige Handeln in vielen Bereichen des täglichen Lebens einschränken. Derzeit gibt es keine effektive Therapie zur Verbesserung der Arm- und Handfunktion, besonders bei chronisch Querschnittsverletzten.

Kürzlich zeigte diese Arbeitsgruppe, dass eine Form der nicht-invasiven Hirnstimulation in Kombination mit motorischem Training die Funktion bei chronischer Verletzung verbessern kann. Allerdings ist bisher nur sehr wenig bekannt über die Fähigkeit von Gehirn und Rückenmark, nach einer solchen Intervention neue Nervenverbindungen zu knüpfen (Neuroplastizität). Zudem gibt es bisher keine Erkenntnis, ob diese Art der Intervention die Lebensqualität von chronisch Querschnittsgelähmten entscheidend beeinflusst.

Forscher möchten deshalb bei einer größeren Anzahl von Betroffenen weitere Daten sammeln, um die Effekte der gesteigerten motorischen Funktion bei dieser Hirnstimulation besser zu verstehen. Außerdem möchten sie messbare Parameter der Neuroplastizität und den Einfluss auf die Lebensqualität bestimmen. Dafür wollen sie 36 Teilnehmer mit chronischer, inkompletter, zervikaler Querschnittsverletzung einschließen, mit dem Schweregrad B, C und D auf der American Spinal Injury Association Impairment Scale.

Die Teilnehmer erhalten aktive oder inaktive Hirnstimulation gepaart mit motorischem Training. Die Wissenschaftler erheben Daten der Motorfunktion, Marker der Neuroplastizität und führen Interviews durch.

Diese Information, sowohl vor dem Start der 24 Tage anhaltenden Intervention, als auch direkt nach der Intervention (1 Monat und 4 Monate danach) werden gesammelt.

Ziel ist es, Interventionen grundlegend voranzubringen und die Verbesserung der Arm- und Handfunktion bei chronisch Betroffenen zu fördern. Dies ist besonders wichtig in Hinblick auf das Fehlen einer effektiven Therapie während der langfristigen Erholungsphase.