John Kramer und Catherine Jutzeler, ICORD, University of British Columbia, Vancouver, Kanada

Neuro-Monitoring zur Verbesserung der spontanen neurologischen Erholung

Gefördert in: 2021, 2022, 2023


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Problem: Fehlendes prospektives Verständnis der neurologischen Erholung
Ansatzpunkt: Entwicklung von Neuro-Monitoring (Neuro-Surv)
Zielsetzung: In Echtzeit die neurologische Erholung in der Klinik überwachen

Das übergreifende Ziel des Wissenschaftsprojektes ist der Aufbau eines Systems, das die neurologische Erholung in der klinischen Praxis in Echtzeit überwachen kann. Kliniker werden durch Neuro-Surv alarmiert, sobald sich Patienten unter- oder überdurchschnittlich klinisch entwickeln. Dies ist ein notwendiger Schritt hin zu einem in die Zukunft gerichteten Verständnis von hindernden und fördernden Einflüssen auf die neurologische Erholung. Um die Entwicklung von Neuro-Surv voranzutreiben werden die Wissenschaftler Informationen aus der Datenbank European Multi-center study about Spinal Cord Injury (EMSCI) verwenden. Diese Observationsstudie läuft in Europa bereits seit 20 Jahren ohne Unterbrechung. In dieser Zeit wurden bei mehr als 5.000 Patienten viele klinisch-neurologische und funktionelle Messwerte erhoben. Die EMSCI-Daten dokumentieren den Übergang bei den Patienten von der Akutphase in das chronische Stadium. 

Eine Einschränkung der Datenbank liegt in ihrer statischen Natur, da die Daten zu wissenschaftlichen Zwecken immer nur für eine retrospektive Auswertung genutzt werden. Mit Neuro-Surv soll es gelingen, EMSCI als statisches wissenschaftliches Werkzeug in ein dynamisches edukatives und klinisches Instrument zu überführen. Neuro-Surv verwendet Information aus der Datenbank, um Vorhersagen über die neurologische Erholung zu treffen. Dies wird gestützt auf demographische Daten (zum Beispiel Alter und Geschlecht) sowie auf Merkmale der akuten Verletzung (zum Beispiel Schweregrad und Höhe). Nach der Weiterentwicklung von Neuro-Surv - insbesondere in punkto Geschwindigkeit und Nutzbarkeit - steht die Integration der Version bei den Zentren von EMSCI an. In Echtzeit soll es ein Werkzeug zur Veranschaulichung und Patientenaufklärung sein. Hierzu wird es wöchentliche große Besprechungsrunden an zwei teilnehmenden EMSCI-Zentren in Deutschland (Murnau und Heidelberg) geben.

Ist Neuro-Surv erst einmal in ihren klinischen Alltag integriert, sollen Mitglieder von Gesundheitsberufen über ihre Erfahrungen mit dem System befragt werden und Feedback zur weiteren Verbesserung geben. Dies betrifft zum Beispiel folgende Berufsgruppen: die Ärzteschaft, die Krankenpflege, die Physiotherapie und die Ergotherapie.

Der wissenschaftliche Hauptfokus liegt auf der Verlässlichkeit der Aussage zur neurologischen Erholung drei Monate nach Verletzung. Ein weiteres Ziel für die Zukunft ist, Neuro-Surv anwendbar für die Edukation von Patienten und den weiteren Einsatz in der Forschung zu machen.