Phillip Popovich, The Ohio State University, Center for Brain & Spinal Cord Research, Columbus, USA

Impfung des angeborenen Immunsystems als neuer Ansatz für die Genesung und Infektprävention

Gefördert in: 2019, 2020, 2021


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Problem: Querschnittsverletzte Patienten entwickeln und sterben oft an Pneumonie
Ansatzpunkt: Unterstützung des angeborenen Immunsystems, um Krankheitserreger abzutöten
Zielsetzung
: Behandlung gegen Infektion, die Rehabilitation und spontane Erholung verbessert

Patienten mit einer Querschnittslähmung entwickeln und sterben viel häufiger an einer Lungenentzündung als die Durchschnittsbevölkerung. Eine Pneumonie geht einher mit einer schlechteren Erholung der Querschnittslähmung. Daher sollten neue Infektionsbehandlungen dazu beitragen, Rehabilitation und die spontane neurologische Heilung zu verbessern.
Bei Mäusen und Menschen mit einer hoher Querschnittslähmung führt die Unterbrechung des sympathischen Nervensystems zum Kontrollverlust über alle wichtigen Organe des Immunsystems. Dies führt zur Ausbildung eines Syndroms: der Immundepression (SCI-IDS). Das Syndrom ist gekennzeichnet durch eine langanhaltende Unfähigkeit der B- und T-Lymphozyten, gegen eine Infektion vorzugehen. Neue Ansätze sind dringend notwendig, um die Abwehrkräfte anderer Immunzellen gegen krankheitserregende Keime zu stärken.
Dies könnte Pneumonien vorbeugen. Kürzlich wurde gezeigt, dass Impfungen angeborene Immunzellen (z.B. Fresszellen und dentritische Zellen) „trainieren“ und diese mit verbesserten und langanhaltenden bakteriziden Gedächtnisfunktionen ausstatten können.
Es gibt zwei wichtige Punkte beim Trainieren der angeborenen Immunzellen:
(1) Das Training benötigt keine T- und keine B-Zellen
(2) Trainierte angeborene Immunzellen können gegen unterschiedliche krankheitserregende Keime schützen, auch gegen solche, die nicht im ursprünglichen Impfstoff enthalten sind. Ein „angeborenes Immungedächtnis“ könnte ebenfalls zur Neuroprotektion beitragen.
Erste Daten zeigen, dass eine Steigerung der angeborenen Immunität durch das Einbringen bakterieller Bestandteile eine Querschnittslähmung begrenzen kann, die durch Sauerstoffmangel hervorgerufen wurde. Die BCG-Impfstoffe sind eine der sichersten und weitverbreitetsten auf der Welt. Obwohl sie ursprünglich zum Schutz gegen den Tuberkulose-Erreger eingesetzt wurden, zeigen neue Daten, dass die BCG-Impfstoffe auch gegen wiederauftretenden Blasenkrebs helfen, Melanome behandeln und gegen Influenza schützen. BCG-Impfstoffe sind also wirksam, um Lungeninfektionen zu verringern. Darüberhinaus könnten sie sich als neue multimodale Therapie von Querschnittspatienten eignen.
Im Mausmodell wollen die Forscher testen, ob BCG und andere Impfstoffe des angeborenen Immunsystems die Immunabwehrkräfte der Lunge stärken und die spontanen oder hervorgerufen Pneumonien blockieren. Optimierte Vakzine werden auf ihre Fähigkeit hin getestet, ob sie eine neuroprotektive intraspinale Entzündung hervorrufen.