Angela Ruban, Fakultät für Medizin, Sagol Neuroscience, Tel Aviv Universität, Tel Aviv, Israel

Glutamat-regulierte Enzyme als neuroprotektive Notfallbehandlung

Gefördert in: 2021, 2022, 2023


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Problem: Dringender Bedarf an neuen Strategien zur Behandlung des Neurotraumas
Ansatzpunkt: Überschuss an Glutamat im zentralen Nervensystem reduzieren
Zielsetzung: Behandlungsoption für Patienten mit Neurotrauma in der nahen Zukunft

Glutamat ist der am häufigsten genutzte Neurotransmitter des Gehirns. Zahlreiche Studien haben in den letzten Jahrzehnten belegt, dass eine hohe Konzentration von Glutamat im Gehirn zum Absterben von Nervenzellen und zu einer erheblichen motorischen Einschränkung führt (Exzitotoxizität).  Wenn man die Konzentration von Glutamat kurz nach einer Verletzung absenkt, reduziert sich die Kaskade der toxischen Auswirkung und der daraus folgende Sekundärschaden erheblich. Dadurch können eine verbesserte funktionelle Erholung und ein Prozess der Regeneration eintreten. Jedoch gibt es derzeit keine klinisch angewendeten Wirkstoffe, um die Wiederherstellung von Nervengewebe und Funktionen nach einer Rückenmarksverletzung zu befeuern.

Das Ziel des Projektes ist es, die Anwendbarkeit und die Wirkung des neuroprotektiven Ansatzes in der Notfallsituation zu überprüfen. Die Neurowissenschaftler haben einen entscheidend anderen Ansatz entwickelt, um einen Überschuss an Glutamat im zentralen Nervensystem zu reduzieren. Hierzu senken sie die Konzentration von Glutamat im Blut. Diese Methode hat sich im Tiermodell als äußerst wirksam nach einem Schlaganfall, einer traumatischen Hirnverletzung oder einer Vergiftung mit Paraoxon (E 600) erwiesen. Kürzlich zeigten die Wissenschaftler einen signifikanten Effekt der Neuroprotektion dank der Behandlung mit zwei Enzymen. Dies resultierte in einer verbesserter Motorfunktion.

Die Studie soll Pionierarbeit leisten. In vorangegangenen toxikologischen Studien traten keine Nebenwirkungen durch diese Behandlung auf. Daher verspricht dieser neuartige Ansatz von großer klinischer Bedeutung zu sein. Die Forscher erhoffen sich damit eine Behandlung von Patienten nach einem Neurotrauma in der nahen Zukunft.

Die neuartige Behandlung ist von besonderer therapeutischer Relevanz, da sich bei einem sehr guten Sicherheitsprofil bereits ein starker neuroprotektiver Effekt zeigen ließ. Daher gibt es eine große Chance, dass nach Abschluss des hier vorgestellten Projektes die Therapie in klinischen Studien bald getestet werden könnte. Die Hoffnung liegt darin, dass die Behandlung den Schaden geringer und inkompletter hält und dadurch sich ein besseres funktionelles Ergebnis mit einer Steigerung der Lebensqualität ergibt.