Anastasia Shulga, Helsinki University Hospital, Helsinki, Finnland

Gepaarte Langzeitstimulation – eine neue Behandlung bei inkompletter Querschnittslähmung

Gefördert in: 2019, 2020, 2021


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Problem: Wie nutzt man Lern- und Anpassungsvermögen des Zentralnervensystems?

Ansatzpunkt: Die Signalübermittlung vom ersten auf das zweite Motoneuron verbessern und damit den Bewegungsumfang erhöhen

Zielsetzung: Therapieform Paired associative stimulation (PAS) in die Klinik bringen

 

Zwei Arten von Neuronen sind notwendig für eine willkürliche Bewegung. Das erste Motoneuron vermittelt Signale vom Gehirn ans Rückenmark und das zweite Motoneuron vom Rückenmark zu den Muskeln. Nach einer Querschnittslähmung sind die Verbindungen dieser Neurone unterbrochen und Willkürbewegungen können von den Muskeln nicht mehr effektiv ausgeführt werden.

Paired associative Stimulation (PAS) ist eine Technik bei der die nicht-invasive transkranielle Magnetstimulation (TMS) mit der peripheren Nervenstimulation (PNS) gekoppelt wird. TMS aktiviert das erste Motorneuron und PNS das zweite Motoneuron.

Lern- und Adaptationsmechanismen des Zentralnervensystems besagen, dass zeitgleich aktivierte Nervenpopulationen gestärkte Nervenverbindungen entwickeln. Durch diesen Mechanismus verstärkt PAS vermutlich die Signalübertragung vom ersten auf das zweite Motoneuron, was zu einer besseren Motorfunktion bei Patienten mit inkompletter Querschnittslähmung führt.

Die Wissenschaftler hier haben ihr eigenes für die Klinik einsetzbares PAS-System entwickelt und es bereits bei chronischer Querschnittslähmung in der Langzeitanwendung benutzt. Mit erfolgreichen Ergebnissen. Sie konnten zeigen, dass PAS klinisch relevante und langanhaltende therapeutische Effekte hat.
Die Anwendbarkeit dieser Methode bei subakut verletzten Patienten ist bisher nicht untersucht. Es ist aber wahrscheinlich, dass diese Patienten sogar noch in einem größeren Umfang profitieren. Kurz nach einer Verletzung liegt ein noch größeres Anpassungspotential vor und es kam noch zu keinem schweren Muskelschwund.

Während dieses Projektes soll die Methode weiterentwickelt und vor allem bei Patienten mit einer subakuten Querschnittslähmung angewendet werden. Die Forscher führen eine doppelt verblindete, randomisierte Studie mit insgesamt 20 subakut verletzten tetraparetischen Patienten durch. Sie messen die Auswirkung der PAS-Methode auf die Handfunktion und schlussendlich auf die gewonnene Freiheit bei alltäglichen Aufgaben.

Das große Ziel dieses Projektes ist es, den experimentellen Ansatz in die Klinik zu bringen.