Zellen verdauen sich selbst


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Autophagie bedeutet wörtlich so viel wie “sich selbst verzehrend” und ist ein natürlicher Prozess, bei dem die Zelle unnötige oder nicht funktionierende Bestandteile entfernt. Die zellulären Bestandteile werden anschließend wiederverwertet.

Forscher der medizinischen Hochschule von Louisville und Miami, zeigten, dass Autophagie wesentlich für die Entwicklung und das Überleben der Biomembran Myelin ist.

Myelin stellt eine Isolationsschicht dar, die um die Nervenzellen gewickelt eine schnellere Leitgeschwindigkeit ermöglicht. Myelin wird benötigt für die Informationsübermittlung zum Beispiel von Bewegung oder Gefühl entlang der Nervenzellen.

Eine Querschnittsverletzung führt zu einer massiven Zerstörung der Nervenisolierung, der Myelinisierung. Die Nervenzellen selbst mögen unbeschädigt geblieben sein, aber eine defekte Isolationsschicht beeinträchtigt ihre Funktion. Die verstärkte Erneuerung der Isolierschicht, die Remyelinisierung, ist daher ein sehr interessanter Angriffspunkt, um Funktionen nach einer Querschnittsverletzung wiederherzustellen.

Experimente zur Autophagie im Detail
In einem ersten Versuchsaufbau unterband die Forschergruppe den Vorgang der Autophagie. Das Ergebnis: eine Abnahme der intakten Myelinisierung.
In einem zweiten Experiment provozierte das Team genau das Gegenteil: Es beförderte Autophagie. Daraufhin kam es zu einer verbesserten Myelinisierung.
Diese Ergebnisse belegen, dass Autophagie sehr wichtig für Myelinisierung ist. Sie könnten Ausgangspunkt für weitere Arbeiten sein, die sich den Prozess der Autophagie zu Nutze machen, um die Nervenisolationsschicht nach einer Querschnittsverletzung wieder zu reparieren.

Diese Studie wurde im Journal Glia veröffentlicht.

 

Quelle:“Autophagy is essential for oligodendrocyte differentiation, survival, and proper myelination” by Bankston AN, Forston MD, Howard RM, Andres KR, Smith AE, Ohri SS, Bates ML, Bunge MB, Whittemore SR. Published in June 2019 in the journal Glia.