© Pixabay

Was bringt Rehabilitation?


Zur Übersicht

Hierzu hat der renommierte Spezialist für Rehabilitation in Zürich eine Analyse mehrerer Studien vorgelegt. Dabei interessiert ihn besonders, was eigentlich Rehabilitation nach einer Verletzung von Gehirn oder Rückenmark bewirkt. Und was ihre Wirksamkeit bestimmt. Eine pauschale Antwort ist nur begrenzt möglich, da aus der Literatur nicht eindeutig hervorgeht, welche speziellen Rehabilitationsmaßnahmen wohl der beste Standard nach einer Verletzung wären.

Keine Verbesserung durch gesteigerte Intensität und mehr Technik
Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass bereits eine gesteigerte Trainingsintensität das Erfolgsrezept ist. Mehrere Studien zeigen zwar hierdurch eine Verbesserung der Arm- und Beinfunktion, jedoch hält dieser Effekt nur kurzfristig an. Im Verhältnis zur spontanen Erholung ist auf lange Sicht der Zugewinn an Funktion nach intensiver Rehabilitation nur gering. Das Maximum an Erholung wird generell meist mit Training in den ersten drei bis vier Monaten nach einer Verletzung erreicht.

Bemerkenswert an der Arbeit ist auch die Erkenntnis, dass ein Aufrüsten an technologischer Unterstützung für den Erfolg keinen Unterschied macht. Beispielsweise ist es kein Vorteil, Robotik einzusetzen, um dadurch die Trainingszeiten zu verlängern. Der Grad der erzielten Erholung ist also nicht abhängig von Art und Intensität der gewählten Rehabilitation.

Die meisten Ansätze verfolgen das Ziel, durch wiederholtes Training von Bewegungsabläufen eine Verbesserung zu erreichen. Etwa bei Greiffunktion oder Schrittfolge.  Ein gezieltes und wiederholtes Training ist entscheidend für die Wirksamkeit der Neurorehabilitation. Die wissenschaftliche Idee dahinter ist, durch Neuroplastizität den Funktionsgewinn herbeizuführen. Es folgt daraus, dass die Art und der Einsatz von Rehabilitationsmaßnahmen sorgsam und mit Augenmaß auszuwählen sind.

Individuelles Erholungspotential
Der Grad an möglicher Erholung hängt jedoch entscheidend von der Höhe der Verletzung ab. Und davon, welche strategisch wichtigen Fasern in welchem Ausmaß betroffen sind. Nicht allein deswegen wird jedem Betroffenen ein individuell unterschiedliches Potential an Erholung zugeschrieben. Auch das Lebensalter spielt für das Erholungspotential eine wesentliche Rolle. Man ist heute schon in der Lage, mittels klinischer Untersuchung, elektrophysiologischer Messungen oder Bildgebung durch die genaue Beschreibung der Verletzung das individuelle Erholungspotential vorherzusagen. Dementsprechend können dann die Rehamaßnahmen individuell angepasst werden.

Erholung steigern durch elektrische Stimulation
Gerade älteren Betroffenen fällt es schwer, das Potential an motorischer Erholung auszuschöpfen. Daher führt Dietz gerade für diese Patientengruppe die Möglichkeit der elektrischen Stimulation von Nervengewebe ins Feld, die nicht zwingend an ein Rehabilitationstraining gebunden ist. Etwa die epidurale Stimulation oder auch die Tiefen Hirnstimulation befinden sich derzeit in klinischen Studien bei Querschnittsverletzten in der Erprobung. Es bleibt zu hoffen, dass diese Techniken in der Zukunft noch einen weiteren Unterschied machen.

Diese Studie wurde in der Zeitschrift Brain Communications veröffentlicht.

Quelle: Dietz V. Restoration of motor function after CNS damage: is there a potential beyond spontaneous recovery? Brain Communications, Volume 3, Issue 3, 2021, fcab171, https://doi.org/10.1093/braincomms/fcab171

In unseren Basisinformationen finden Sie medizinisches Hintergrundwissen zur Querschnittslähmung. Das Wings for Life Glossar bringt Ihnen die Fachbegriffe näher.