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Unschätzbares Werkzeug für klinische Studien


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Rückenmarksverletzungen führen oft zu lebenslangen körperlichen Einschränkungen. Obwohl es derzeit keine wirksame Therapie zur Heilung einer Querschnittsverletzung gibt, sind doch erhebliche Fortschritte in der Patientenversorgung gemacht worden. Die letzten Jahrzehnte haben Neuerungen gebracht. Hierzu zählen etwa die frühzeitige chirurgische Versorgung, das Hochhalten des arteriellen Blutdruckes in der Akutphase, eine maßgeschneiderte Rehabilitation oder die Behandlung von Folgeschäden. Jedoch war bisher wenig darüber bekannt, inwiefern diese Fortschritte in der Versorgung auch Einfluss auf die funktionelle Erholung haben.

Entwicklungen der letzten 20 Jahre
In einer kürzlich veröffentlichen Studie verglich ein internationales Forscherteam mit führenden Köpfen aus der Schweiz die Entwicklung über die letzten 20 Jahre. Untersucht wurden Daten aus der europäischen, klinischen Datenbank EMSCI. Diese stammen von nunmehr über 4.600 Betroffenen in der Akutphase, also bis zu einem Jahr nach der Verletzung. Die Wissenschaftler fanden dabei heraus, dass sich einige demographische Daten der Querschnittsverletzen in den letzten 20 Jahren stark gewandelt haben. Das Lebensalter bei Eintritt einer Rückenmarksverletzung ist zum Beispiel deutlich angestiegen. Aber auch die Ursachen und die Merkmale einer Verletzung haben sich verändert.
Über die Jahrzehnte hinweg liegt im Ergebnis das Verhältnis der männlichen zu weiblichen Verletzten hingegen unverändert bei 3:1. Auch die Verteilung der Schweregrade einer Verletzung und die Häufigkeiten für eine Verletzungshöhe sind gleich geblieben. Und überraschenderweise hat sich trotz des medizinischen Fortschrittes die Erholungsrate über die letzten zwanzig Jahre ebenfalls nicht verändert.

Neue Internet-Plattform
Die Forscherkooperation hat nun eine frei zugängliche Internet-Plattform mit diesen Überwachungsdaten aus der Akutphase eingerichtet. Sie trägt den Namen Neurosurveillance und ist ein unschätzbares Werkzeug für alle wissenschaftlich Tätigen in der Rückenmarksforschung. Die Datenbank ist sehr von Nutzen, um klinische Forschung und Studien zu entwickeln und diese nach den Bedürfnissen der heutigen Generation akut Verletzter auszurichten. Neurosurveillance kann daher zum Baustein bei der Entwicklung einer Heilung werden.

Diese Studie wurde in der Zeitschrift BMC Medecine veröffentlicht und von Wings for Life unterstützt.

Quelle: Bourguignon L, Tong B, Geisler F et al. International surveillance study in acute spinal cord injury confirms viability of multinational clinical trials. BMC Med 20, 225 (2022). https://doi.org/10.1186/s12916-022-02395-0

In unseren Basisinformationen finden Sie medizinisches Hintergrundwissen zur Querschnittslähmung. Das Wings for Life Glossar bringt Ihnen die Fachbegriffe näher.