© Walter Eggenberger

So wichtig ist Atemtraining


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Atembeschwerden sind nach wie vor die Haupttodesursache bei Patienten mit einer kompletten Querschnittslähmung. Bei einer hohen Querschnittslähmung kommt es auch zur Lähmung wichtiger Atemmuskeln. Sie verschlechtert den Hustenstoß, die Sekretionsabwehr und führt oft zu Komplikationen wie einer Lungenentzündung. Außerdem sind Komplikationen bei der Atmung mit einer schlechteren neurologischen Erholung verbunden. Das Ziel für Patienten ist deshalb eine verbesserte Atmung. 

Ein Ziel – mehrere Wege
Es gibt zwei Arten des Atemmuskeltrainings.
1.     Widerstandstraining: Dabei wird durch ein Loch mit einem kleinen Durchmesser geatmet, was den Luftstrom begrenzt.
2.     Schwellentraining: Hier gilt es, mit ausreichendem Atemstoß eine federgespannte Klappe zu überwinden. 

Das Atmungstraining zielt entweder auf die Dauer (wie beim Widerstandstraining) oder Intensität (wie beim Schwellentraining) ab. Eine Arbeitsgruppe um Gabi Müller des Schweizer Paraplegiker Zentrums in Nottwil setzte eine Studie auf, um herauszufinden, welches Therapiekonzept die besten Ergebnisse bringt. Hierfür sammelten sie retrospektive Daten von 67 Patienten mit einem Verletzungsniveau zwischen C4 und Th12 über eine Dauer von 5 Jahren.

Gabi Müller und Anja Raab  (Walter Eggenberger )
Gabi Müller und Anja Raab   © Walter Eggenberger

Was zeigt die Studie?
Alle Daten weisen darauf hin, dass die Trainingsintensität der wichtigste Faktor für eine verbesserte Kraft der Atemmuskulatur ist. Eine erhöhte Dauer des Trainings hatte nahezu keinen Einfluss auf die Atemkapazität der querschnittsgelähmten Patienten. Anja Raab, die Erstautorin der Veröffentlichung, fasst die Konsequenz aus ihrer Arbeit zusammen: „Die Intensität des Trainings sollte so hoch als möglich gewählt werden.“


Diese Erkenntnis ist für den klinischen Alltag in der Atmungstherapie wichtig und soll Querschnittspatienten zukünftig dabei helfen, ihre Atmung wieder zu verbessern.  

Diese Studie wurde von Wings for Life unterstützt und in der Zeitschrift Spinal Cord veröffentlicht.

 

Quelle:“Respiratory muscle training in individuals with spinal cord injury: effect of training intensity and -volume on improvements in respiratory muscle strength” by Raab AM, Krebs J, Pfister M, Perret C, Hopman M, Mueller G. Published in July 2019 in the journal Spinal Cord.