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Personalisierte Kombinationstherapie


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Eine Querschnittsverletzung löst eine Vielzahl von Mechanismen aus, die zu einer Verschlechterung der Erkrankung führen. Hierzu gehört die gesteigerte Entzündungsreaktion, der Zelluntergang und die Ausbildung einer Narbe. Stefano Pluchino und seine Kollegen an der Universität von Cambridge haben nun eine Studie durchgeführt, in der sie diese unterschiedlichen Aspekte des Erkrankungsablaufes gleichzeitig ins Visier nehmen. Die Wissenschaftler erforschen für Patienten nach einer traumatischen Querschnittsverletzung die therapeutischen Möglichkeiten körpereigener Stammzellen und eines RNA-basierten Nanowirkstoffes.

Die richtige Kombination
RNA-basierte Nanowirkstoffe haben in der Krebsforschung sehr vielversprechende Ergebnisse gezeigt. Diese kleinstmolekularen Therapien greifen in die körpereigene Herstellung von Proteinen ein. Das Team aus Cambridge zeigt nun erstmals ihre Anwendung in einem präklinischen Experiment der Querschnittslähmung. Der vielversprechende Therapieansatz wird nun benutzt, um die körpereigene Produktion eines bestimmten Proteins (Lipocalin 2) zu reduzieren. Es befeuert nämlich eine Entzündung in der akuten Krankheitsphase. Damit soll der Versuch unternommen werden, eine günstige Umgebungssituation zu schaffen, um induzierte neurale Stammzellen zu transplantieren. Dieser spezifische Typ neuraler Stammzellen, für den es bisher nur eine sehr begrenzte Anzahl an Studien nach einer Querschnittsverletzung gibt, besitzt einige praktische und ethischen Vorteile. Bei induzierten neuralen Stammzellen besteht die Hoffnung, eine klinische Zelltherapie in der Zukunft bei Querschnittspatienten zur Anwendung zu bringen.

Die Ergebnisse
Die Behandlung mit RNA-basierten Nanowirkstoffen vor der Transplantation der induzierten neuronalen Stammzellen führte zu einer erkennbaren funktionellen Verbesserung. Zudem kam es zu einer Verminderung der Narbenbildung und einer milderen Entzündungsreaktion.
Die Studie beleuchtet sehr interessante therapeutische Techniken, die nach einer Querschnittslähmung zum Einsatz kommen und an den unterschiedlichsten Angriffspunkten der Erkrankung wirken könnten. Es muss jetzt in klinik-näheren Experimenten überprüft werden, ob sich diese Technologien auch im weiteren Testverlauf erfolgreich kombinieren lassen. Ist der Ansatz weiter ausgereift, könnte die Hoffnung bestehen, dass eine wesentliche klinische Verbesserung für Patienten erzielt werden kann.

Diese Studie wurde in der Zeitschrift Molecular Therapy veröffentlicht und von Wings for Life unterstützt.

Quelle: Alice Braga, Sara Bandiera, Jeroen Verheyen, Regan Hamel, Carola Rutigliani, Frank Edenhofer, Jayden Aaron Smith and Stefano Pluchino. Combination of In Situ Lcn2 pRNA-RNAi Nanotherapeutics and iNSC Transplantation Ameliorates Experimental SCI in Mice.  Mol Ther. 2020;S1525-0016(20)30411-1. doi:10.1016/j.ymthe.2020.08.001.

In unseren Basisinformationen finden Sie medizinisches Hintergrundwissen zur Querschnittslähmung. Das Wings for Life Glossar bringt Ihnen die Fachbegriffe näher.