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MS-Medikament bewirkt funktionelle Erholung


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Nach einer Querschnittsverletzung werden mehrere Moleküle erzeugt, die ein Wiederauswachsen von Nerven hemmen. Darunter ist auch das sogenannte Repulsive Guidance Molecule A (RGMa). RGMa wird rasch nach einer Querschnittsverletzung freigesetzt. Das gleiche Molekül zeigt sich bei Schädigungen durch Multiple Sklerose und bei der Alzheimer-Erkrankung. Bei letzterer spielt es eine Rolle in der Regulation des Zelluntergangs.

Testung bei Querschnittsverletzung
Wissenschaftler haben im Experiment einer akuten Querschnittsverletzung den Effekt von Elezanumab getestet. Diese Substanz besteht aus Antikörpern, die den Effekt von RGMa blockieren. Das Medikament wird über die Vene verabreicht. Erste Analysen ergaben, dass Elezanumab auch in der Zielregion, im Nervenwasser um das Gehirn und um das Rückenmark, nachweisbar war. Eine Verabreichung drei Stunden nach Verletzung hatte eine Verbesserung der Feinmotorik und des Gangbildes zum Ergebnis. Zudem wurden positive Ergebnisse bei der spontanen Blasenentleerung und dem Aufbau der Blasenstruktur festgestellt.
Darüber hinaus fanden die Wissenschaftler einen Zusammenhang der funktionellen Verbesserungen mit einem deutlichen neuroprotektiven Effekt. So verhinderte Elezanumab ein weiteres Absterben von Zellen nach einer Verletzung.

Deutliche Vorteile

Da RGMa eine prominente Rolle bei der Multiplen Sklerose spielt, wurde Elezanumab bereits in klinischen Studien für dieses Krankheitsbild erprobt. Dies sollte eine klinische Testung bei der Querschnittsverletzung einfacher und schneller machen. Der Therapiebeginn im Experiment drei Stunden nach der Verletzung entspricht 12-24 Stunden in der Anwendung beim Menschen. Dies ist von klinischer Bedeutung, da es genug Zeit verspricht, um Patienten dieses Mittel nach Ankunft in einem Querschnittszentrum zu verabreichen.

Diese Studie wurde in der Zeitschrift Neurobiology of Disease von der Wissenschaftlern Andrea Mothe und Charles Tator aus Kanada veröffentlicht und von Wings for Life unterstützt.

Quelle: Mothe AJ, Coelho M, Huang L, Monnier PP, Cui YF, Mueller BK, Jacobson PB, Tator CH. Delayed administration of the human anti-RGMa monoclonal antibody elezanumab promotes functional recovery including spontaneous voiding after spinal cord injury in rats. Neurobiology of Disease. 143 (2020) 104995

In unseren Basisinformationen finden Sie medizinisches Hintergrundwissen zur Querschnittslähmung. Das Wings for Life Glossar bringt Ihnen die Fachbegriffe näher.