© Katie Lozancich

Ich bin Dianne Vitkus und das ist meine Geschichte


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Vor gut zwei Jahren wurde mein Leben auf den Kopf gestellt. Ein kleiner Ausrutscher und alles, was ich kannte, war auf einmal vorbei.

Damals arbeitete ich als Arzthelferin in der Chirurgie in Syrakuse, New York. Mein absoluter Traumberuf. Mein Onkel war Kieferchirurg und hat mich quasi dazu inspiriert. Ich assistierte den Oberärzten im Operationsaal und überwachte den Zustand der Patienten nach ihrer OP. An dem besagten Tag kam ich nach einer 12-Stunden-Schicht nach Hause und ließ mich erschöpft auf die Couch fallen. Als ich aus dem Fenster schaute, sah ich einen wundervollen Sonnenuntergang. Ich wollte den Abend genießen und kletterte mit einer Decke unter dem Arm die Leiter zum Dach hinauf. Ich lag lange dort oben. Beobachtete, wie die Sonne hinter dem Horizont verschwand, und bewunderte anschließend den Sternenhimmel. Ich begann zu frösteln und wollte wieder hinunterklettern. Als ich auf die Leiter stieg, rutschte ich aus und fiel aus 3,5 Metern Höhe auf den harten Zementboden.

Starke Familie: Dianne gemeinsam mit ihren Eltern in Boston. (Malakhai Pearson)
Starke Familie: Dianne gemeinsam mit ihren Eltern in Boston.  © Malakhai Pearson

Ich war etwas benommen und spürte nur einen Schmerz in meiner rechten Schulter. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, das wird morgen früh wohl wehtun. Seltsamerweise hatte ich sonst keine Schmerzen. Als ich aufstehen wollte, wurde mir schnell klar, warum. Ich konnte mich nicht bewegen. Ich konnte nichts fühlen. Alles unterhalb meiner Brust war taub. In diesem Moment wusste ich, dass mein Leben nie wieder dasselbe sein würde.

Ich hatte 30 Minuten Zeit, um mich auf das Chaos und die Ungewissheit vorzubereiten, bevor mich jemand fand und den Notruf wählte. 30 Minuten, in denen ich über die vergangenen 28 Jahre nachdachte. 30 Minuten, um darüber nachzudenken, wie privilegiert mein Leben gewesen war. Hätte ich etwas anders gemacht? Ich hatte mich nach der Ausbildung gerade erst eingelebt. War das alles umsonst? Werde ich jemals in meinen Traumberuf zurückkehren können? Mir ging so viel durch den Kopf. Ich wollte es nicht wahrhaben, wusste aber, dass die Freiheit, die ich über mein Leben hatte, vorbei war. Trotzdem blieb ich ruhig. In Panik zu geraten, hätte nicht geholfen. Alles, was ich tun konnte, war tief durchzuatmen und zu warten.

Vor dem Unfall: Dianne erkundet die Natur Arizonas. (Privat)
Vor dem Unfall: Dianne erkundet die Natur Arizonas.  © Privat

Bei dem Sturz habe ich mir das rechte Schulterblatt gebrochen. Ich erlitt einen Lungenkollaps. Dabei sammelt sich Luft zwischen der Lunge und der Brustwand an, und erschwert das Atmen. In einer Not-OP wurde meine Wirbelsäule fixiert. Ich brauchte einen Luftröhrenschnitt, eine Ernährungssonde und ein Beatmungsgerät. 4 lange Wochen lag ich auf der Intensivstation in Syracuse. Ich dachte nie, dass ich es nicht schaffen würde. Aber wenn ich so zurückblicke, habe ich wohl jeden Tag um mein Leben gekämpft. Als mein Zustand schließlich stabil war, wurde ich ins Spaulding Rehabilitation Center in Boston verlegt. Dort war ich zwei Monate in einer intensiven stationären Reha.

Dianne verbringt gerne Zeit mit ihren Freundinnen Carolyn und Kristin. (Malakhai Pearson)
Dianne verbringt gerne Zeit mit ihren Freundinnen Carolyn und Kristin.  © Malakhai Pearson

Eigentlich dachte ich, dass ich mit Rückschlägen gut umgehen kann. Als ich 18 Jahre war, hat man Typ-1-Diabetes bei mir diagnostiziert. Aber ein Leben mit Querschnitt ist etwas anderes. Man muss jeden Tag kämpfen und hat keine Wahl. Aber ich habe zumindest die Wahl, ob ich mit Groll oder mit einem Lachen im Gesicht kämpfe.

Ich bin nach wie vor optimistisch. Das kommt wohl von den vielen Sportwettkämpfen. Ich bin mit drei Sportarten aufgewachsen und habe auf dem College Lacrosse gespielt. Nach dem College machte ich viel Intervalltraining. Ich lief einen Marathon, radelte und wanderte regelmäßig. Während meiner sportlichen Laufbahn hatte ich definitiv viele Hindernisse zu überwinden. Aber egal was kam, meine Lebensfreude hat mich immer nach vorne getrieben.

Inspirierende, junge Frau: Dianne ist Wings for Life Ambassador. (Katie Lozancich)
Inspirierende, junge Frau: Dianne ist Wings for Life Ambassador.  © Katie Lozancich

Was mir auch unglaublich geholfen hat: Ich habe ein großartiges Umfeld, wo mir jeder den Rücken stärkt. Ich glaube, das ist meine Rettung. Ich kann vielleicht nicht mehr gehen, aber diese Menschen geben mir so viel Kraft. Wie sagt man so schön: Glück wird nicht in Etappen gemessen. Man misst es an den Beziehungen im Leben. Den Beziehungen, die bleiben. Alle haben sich so um mich gekümmert. Sogar völlig Fremde haben nicht nur mich, sondern auch meine Familie unterstützt. Sie schickten Karten, Blumen und Luftballons. Sie spendeten Geld oder kochten für mich.

Am Anfang hatte ich viel Hoffnung, bald wieder etwas zu spüren oder bewegen zu können. Aber über die Monate verschwand diese Hoffnung langsam. Ich wollte meine Erwartungen auch nicht zu hochschrauben, nur um dann enttäuscht zu werden. Aber als ich von Wings for Life erfuhr, all den klinischen Studien und der Forschung – all der Arbeit, um eine Heilung für Querschnittslähmung zu finden – machte mir das wieder Hoffnung. Eines Tages werde ich wieder gehen können. Und dieses Comeback wird so schön sein.

Wings for Life hat sich zum Ziel gesetzt, Querschnittslähmung zu heilen. Bitte helfen Sie uns dabei.

Dianne's Freunde waren eine starke Stütze nach dem Unfall. (Malakhai Pearson)
Dianne's Freunde waren eine starke Stütze nach dem Unfall.  © Malakhai Pearson