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Der Narbe auf der Spur


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Auf alle möglichen Arten von Gewebsverletzungen folgt eine Narbenbildung. Am besten können wir diesen Vorgang selbst bei einer Verletzung der Haut beobachten. Auch nach einer Rückenmarksverletzung entsteht Narbengewebe. Dieses füllt den Verletzungsraum aus und begrenzt damit den Schaden. Es bildet auch eine Versiegelung, zum Beispiel gegen Infektionen. Dieser positive Schutzmechanismus birgt jedoch auch folgenden Nachteil:  Es entsteht eine Barriere, eine Narbenplatte, die das Wiederauswachsen von Nervenfortsätzen unmöglich macht.
Zwei Behandlungsansätze in der Forschung versuchen, diesen negativen Aspekt wettzumachen:
1) In der akuten Phase die Narbenbildung hinauszögern.
2) In der chronischen Phase die Narbe zeitweise wieder aufweichen.
Beide Ansätze wollen ein Zeitfenster wiedereröffnen, in dem Nervenzellen wieder auswachsen und sich wieder verbinden können.

Wie ist eine Narbe aufgebaut?
Eine wissenschaftliche Kooperation von Jonas Frisén und Christian Göritz in Stockholm hat Gewebe nach einer Schädigung des zentralen Nervensystems unter die Lupe genommen. Dafür wurden Proben von verschiedenen Arten und Orten nach einer Verletzung bei Maus und Mensch untersucht. Das überraschende Ergebnis dieser Untersuchung ist, dass unabhängig von Schädigungsstelle, Spezies oder Erkrankung der Aufbau der Narbenstruktur sehr ähnlich ist.

Ein vielversprechender Ansatz
Die Forschergruppe hat einen bestimmten Zelltyp als wichtigen Treiber zur Bildung von Narbengewebe im Zentralnervensystem ausgemacht: die sogenannten Perizyten (Typ A). Diese Erkenntnis könnte einen guten Ansatz für die Aufweichung der Narbe bieten. Dazu müsste es gelingen, nur diesen einen Zelltyp zu beeinflussen. Das restliche Grundgerüst könnte dabei unangetastet bleiben. Dies würde Regeneration ermöglichen und gleichzeitig den Schutzcharakter einer Narbe bestehen lassen.
Es könnte bei einer Vielzahl an Verletzungen des zentralen Nervensystems hilfreich sein, wie beispielsweise bei Rückenmarksverletzung, Schädel-Hirn-Trauma oder Schlaganfall.

Diese Studie wurde in der Zeitschrift Nature Communications veröffentlicht und von Wings for Life unterstützt.

Quelle: Dias DO, Kalkitsas J, Kelahmetoglu Y, et al. Pericyte-derived fibrotic scarring is conserved across diverse central nervous system lesions. Nature Communications. 2021 Sep;12(1):5501. DOI: 10.1038/s41467-021-25585-5. PMID: 34535655.

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