BLOG: Das Immunsystem - Abwehrkraft gegen Viren


Zur Übersicht

Unser Immunsystem besteht aus einer angeborenen und einer erworbenen Immunantwort. 

Die angeborene Immunantwort ist die Erstreaktion des Körpers auf fremde Stoffe. Sie besteht aus einer physikalischen, chemischen und zellulären Abwehr. Die Hauptaufgabe ist es, die Ausbreitung von fremden Stoffen im Körper unmittelbar zu verhindern. 

Als Zweitreaktion gibt es die erworbene Immunantwort. Dabei produzieren Abwehrzellen unter anderem Antikörper, die speziell gegen die Krankheitserreger wirken. In der Abwehr ist das gezielter und wesentlich effektiver. Außerdem werden Gedächtniszellen für einen Langzeitschutz vor diesen Erregern gebildet.


Eine Rückenmarksverletzung lähmt das Immunsystem
Die Zellen, die das Immunsystem bilden, sind in unterschiedlichen Organen konzentriert, wie beispielsweise in der Milz. Unser Nervensystem beeinflusst diese Organe und trägt damit unmittelbar zum Abwehrsystem bei. Bei einer Nervenlähmung, wie nach einer Rückenmarksverletzung, kann es zu einer schwächeren Abwehrfunktion des Körpers gegen Infektionen kommen. Dieses Phänomen bezeichnen Wissenschaftler als SCI-IDS (Immundefizienz-Syndrom bei Querschnittslähmung).

Impfungen als effektivste Prävention
Impfungen sind die effektivste Art, um unser Immunsystem präventiv zu stärken und uns vor Krankheitserregern zu schützen. Zudem schützen Impfungen davor, dass sich Infektionen von Mensch zu Mensch ausbreiten.
Im Falle einer erfolgreich bekämpften Virusinfektion hat unser Körper nicht nur Zellen ausgebildet, die Antikörper produzieren. Es sind auch Gedächtniszellen entstanden, die unserem Körper helfen, bei einer Neuinfektion schneller und effektiver mit der Antikörperbildung zu reagieren.

Für jeden Virustyp braucht es spezielle Gedächtniszellen. Impfungen zielen also auf unser erworbenes Immunsystem ab. Bei einer Impfung werden entweder Bestandteile toter oder abgeschwächter Viren oder deren unwirksame Toxine verabreicht.
Diese lösen die Viruserkrankung im Körper nicht aus. Eine Impfung soll jedoch eine Infektion auslösen, die auch manchmal zu leichten Beschwerden führen kann.. Der Körper setzt sich dabei mit dem Virus auseinander und die natürliche Immunantwort auf die Viren wird damit kopiert.

So entstehen Gedächtniszellen. Man spricht hier von einer aktiven Immunisierung. Bei einer passiven Immunisierung werden hingegen konzentriert Antikörper zur unmittelbaren Behandlung gespritzt – eine Gedächtnisfunktion entsteht dabei nicht.

Impfung gegen COVID-19
Zurzeit wird intensiv an einer Impfung gegen COVID-19 geforscht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt aufgrund der weltweit unternommen Anstrengungen, dass in 12 bis 18 Monaten ein Impfstoff zur Verfügung stehen könnte. Diese Vorstellung mag sehr lange erscheinen, üblicherweise rechnet die Pharmaindustrie aber mit 15-20 Jahren, bis ein fertiger Impfstoff entwickelt ist.
Immerhin muss zunächst der richtige Impfstoff und die ideale Dosierung des Impfstoffs ermittelt und alle Sicherheitsrisiken ausgeschlossen werden. Leider besteht die Gefahr, dass sich das Erscheinungsbild des Virus mit der Zeit ändert. Mutiert ein Virus stark, kann der entwickelte Impfstoff unwirksam werden.

Aufgrund des immensen Bedarfes gibt es auch Anstrengungen um eine passive Immunisierung als akute Behandlung bei COVID-19 Patienten. Erkrankte erhalten dabei die konzentrierten Antikörper aus dem Blutplasma von Patienten, die die Infektion bereits erfolgreich durchgemacht haben. Mit diesem Vorgang kann man die Krankheit direkt mit Antikörpern bekämpfen – eine langfristige Immunität bietet die passive Immunisierung aber nicht.

Das heißt: Nur eine aktive Immunisierung kann zu einer Eindämmung der COVID-19 Infektionen führen. Dabei wird eine Herdenimmunität angestrebt, die entweder dadurch entsteht, dass genügend Menschen erkranken und die Krankheit erfolgreich besiegt haben oder durch eine Impfung immun werden.

Jüngste Berichte weisen darauf hin, dass eine durchgemachte Krankheit zu Immunität führen kann. Bisher ist jedoch nicht bekannt, wie lange diese Immunität andauern kann. Fraglich ist auch, ob ein zur Verfügung stehender Impfstoff bei Querschnittspatienten gleich wirkt, wie bei Menschen mit einem intakten Immunsystem.

Vieri Failli ist Doktor der Neurowissenschaften, der sich mit Leidenschaft dafür einsetzt, der breiten Öffentlichkeit die komplexesten Fragen der Wissenschaft näher zu bringen.
Vieri Failli ist Doktor der Neurowissenschaften, der sich mit Leidenschaft dafür einsetzt, der breiten Öffentlichkeit die komplexesten Fragen der Wissenschaft näher zu bringen.  

Quellen:
www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/impfstoffe-zum-schutz-vor-coronavirus-2019-ncovhttps://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/impfstoffe-zum-schutz-vor-coronavirus-2019-ncov
Nguyen A, David JK, Maden SK et al. Human leukocyte antigen susceptibility map for SARS-CoV-2. J Virol. 2020 Apr 17.
Quan-Xin L, Bai-Zhong L, Hai-Jun D, et al.  Antibody responses to SARS-CoV-2 in patients with COVID-19. Nature Medicine April 29 2020.
Matricardi P, Dal Negro R, Nisini R. The First, Comprehensive Immunological Model of COVID-19: Implications for Prevention, Diagnosis, and Public Health Measures. Pediatric Allergy and Immunology 2020 (Preprint).
Righi G, Del Popolo G. COVID-19 tsunami: the first case of a spinal cord injury patient in Italy. Spinal Cord Ser Cases. 2020 Apr 17;6(1):22.