Atmen dank einmaliger Injektion


Zur Übersicht

Viele Menschen mit einer hohen Rückenmarksverletzung leiden unter Atemnot. In einem Tierexperiment konnte nun erstmals die Atmung bei chronischer Querschnittlähmung wiederherstellt werden.

Mehr als die Hälfte der Querschnittsverletzten leidet unter Atemwegsbeschwerden. Eine gestörte Atmung und ihre Folgen sind sogar die Hauptursache für Krankheiten und Tod.
Bis zu einem Jahr nach einer Rückenmarksschädigung ist im Tiermodell eine mäßige Regeneration der gestörten Atmung möglich. Bei chronischen Verletzungen schien eine Genesung bisher nahezu unmöglich. Jetzt gelang Philippa M. Warren, Jerry Silver und ihren Kollegen ein entscheidender Schritt nach vorne. 

Einmalige Injektion wirkt 
Erst die Fakten: Der Zwerchfellnerv (Nervus phrenicus) entspringt dem Halsmark und ist für die Atmung wesentlich. Das Enzym Chondroitinase ABC wird verwendet, um Narbengewebe aufzuweichen, das die Regeneration beeinträchtigen kann.
Eine einmalige Injektion dieses Chondroitinase ABC ins Halsmark (genauer: in die Nähe des Ursprungsgebiets des Zwerchfellnervs) ermöglichte die kräftige und anhaltende Atmung.
Interessant war dabei vor allem auch, dass diese Behandlung bei chronischen Läsionen wirksamer war, als bei akuten. Diese Behandlungsstrategie ist sehr vielversprechend und gibt Hoffnung, dass auch nach einer chronischen Querschnittslähmung Aussicht auf Wiederherstellung von Funktionen besteht. Aktuell untersucht die Arbeitsgruppe die Mechanismen hinter dieser Wiederherstellung der Atemfunktion.

Wings for Life unterstützte diese wichtige Forschung. Die renommierte Zeitschrift Nature Communications veröffentlichte diese Ergebnisse.


Quelle: “Rapid and robust restoration of breathing long after spinal cord injury”. Warren PM, Steiger SC, Dick TE, MacFarlane PM, Alilain WJ, Silver J.Nature Communications, November 2018.