Glossar

Medizinisch-wissenschaftliche Fachbegriffe

Hier finden Sie eine Liste von Fachwörtern oder anderen nicht geläufigen Begriffen der Wings for Life Website mit Erklärungen.

A

Abdominal

Bezeichnet in der anatomischen Fachsprache den Bereich des Rumpfes zwischen Brustkorb und Becken und inkludiert den Magen, die Bauschspeicheldrüse, die Leber, die Milz und den Darm.

Afferente Nervenbahnen

Nervenbahnen, die von der Peripherie über das Rückenmark ins Gehirn verlaufen und sensorische (s.u.) Informationen des Körpers übermitteln. (Aufsteigende Nervenbahnen)

Apoptose

Programmierter Zelltod oder zelleigener „Selbstmord“. Durch eine kontrollierte Abfolge von Ereignissen werden Zellen zerstört, ohne dass dabei schädliche Substanzen an das Nachbargewebe abgegeben werden.

 

Astrozyten

Bilden die Mehrheit des Hüll- und Stützgewebes (s.u. Gliazellen) im zentralen Nervensystem (s.u. ZNS). Aufgrund ihrer Form werden sie auch „Sternzellen“ genannt. Astrozyten tragen zur Aufrechterhaltung der chemischen Zusammensetzung des Raums zwischen den Nervenzellen bei, unterstützen die Heilung nach einer neuronalen Verletzung und versorgen die Nervenzellen mit Nährstoffen.

Axon

Bezeichnet den langen, faserartigen Fortsatz einer Nervenzelle, der elektrische Impulse vom Zellkörper wegleitet. Axone stellen den Kontakt zu anderen Nerven-, Muskel- oder Drüsenzellen her. Die Informationsweitergabe geschieht über die Kontaktstellen (s.u. Synapsen) und die Ausschüttung von Botenstoffen (s.u. Neurotransmitter).

B

Bioinformatik

Die immer größer werdende Zahl an Daten aus (Rückenmarks-) Forschungsprojekten stellt besondere Anforderungen an die Handhabung der gefundenen Erkenntnisse. Eine wichtige Herausforderung der Bioinformatik besteht daher in der Analyse von großen Datenmengen (z.B. Sequenzierung des menschlichen Genoms) und in der Datenaufbereitung in geeignet und verknüpften Datenbanken.

C

Corticospinale Bahnen

auch Pyramidenbahn genannt; Nervenfasern, die motorische (s.u.) Signale von der Großhirnrinde an das Rückenmark transportieren.

D

Dekubitus

Druckgeschwür durch Wundliegen. Lokalisierte Schädigung der Haut aufgrund langanhaltender Druckeinwirkung auf das Hautgewebe, wodurch die normale Blutversorgung unterbrochen wird. Die Druckbelastung entsteht häufig durch lange Liegephasen oder mangelnde Druckentlastung. Druckgeschwüre können sehr schmerzhaft sein und verheilen nur sehr langsam.

Dura mater

Harte Gehirnhaut, die äußerste von drei Gehirnhäuten, die Gehirn und Rückenmark umschließen.

E

Efferente Nervenbahnen

Nervenbahnen, die Impulse vom Gehirn über das Rückenmark in die Peripherie zu den Erfolgsorganen (z.B. Muskeln, Gefäße) senden. (Absteigende Nervenbahnen)

Epidural

Auf oder außerhalb der harten Hirnhaut (s.u. Dura mater) gelegen.

Excitotoxizität

Übermäßige Freisetzung von Botenstoffen (s.u. Neurotransmitter), wodurch Nerven und Gliazellen (s.u.) zerstört werden.

Extrazelluläre Matrix

Jegliches Material, das von Zellen produziert und in den Raum zwischen den Zellen abgesondert wird; normalerweise wird der Begriff in Bezug auf den nichtzellulären Anteil des Gewebes verwendet.

F

Freie Radikale

Hoch reaktive Substanzen, die jene Moleküle angreifen, schädigen und zerstören können, die von zentraler Bedeutung für die Funktion der Zellen sind. Freie Radikale fangen Elektronen ein und verändern damit die chemische Struktur des Gewebes. Freie Radikale werden als Nebenprodukte von normalen chemischen Reaktionen in den Zellen gebildet. Der Körper verfügt über mehrere Mechanismen, um freie Radikale zu bekämpfen.

G

Gliale Narbe

Anhäufung von aktivierten Gliazellen (s.u.), die eine physische Barriere für das Wachstum der Axone (s.u.) darstellt. Bei einer Verletzung setzen Gliazellen auch Substanzen frei, die ein Wachstum der Axone behindern.

Gliazellen

Unterstützende Zellen im Nervensystem. In Gehirn und Rückenmark gibt es erheblich mehr Gliazellen als Nervenzellen. Gliazellen fungieren nicht nur als Stützgerüst für die Nervenzellen, sie unterstützen auch die Heilung nach einer neuronalen Verletzung, tragen zur Aufrechterhaltung der chemischen Zusammensetzung des Raums zwischen den Nervenzellen bei, sind für die Isolierung (s.u. Myelin) der Nervenbahnen verantwortlich und tragen zur Steuerung der Zellmigration (s.u.) während der Entwicklung bei. Es gibt drei Hauptarten von Gliazellen im zentralen Nervensystem (s.u. ZNS): Astrozyten (s.u.), Oligodendrozyten (s.u.) und Mikroglia (s.u.).

Glutamat

Erregend wirkender Neurotransmitter (s.u.) im Zentralnervensystem.

Graue Substanz

Teile des Gehirns und des Rückenmarks, die vorwiegend aus Nervenzellkörpern und Nervenzellfortsätze (s.u. Axone, Dendriten) bestehen. Im Rückenmark liegt die graue Substanz zentral in der Mitte und bildet ein schmetterlingsförmiges Gebilde.

H

Harnwegsinfekt

Eine durch Krankheitserreger bedingte Infektion der ableitenden Harnwege. Die Entzündung kann sich ausbreiten und zu einer Infektion der Nieren führen.

I

Imaging

Unter Imaging fasst man bildgebende Verfahren in der Medizin zusammen. Es sind nichtinvasive Verfahren zur Diagnose und Verlaufskontrolle von erkrankten Organen und Strukturen. So können mit Ultraschall, Röntgenuntersuchung, Magnetresonanztomographie und Co. Aussagen über anatomische und auch funktionelle Veränderungen getroffen werden.

Impulsweiterleitung

Die Fähigkeit von Nervenzellen, elektrische Signale weiterzuleiten.

K

Kontusion

Prellung, Schädigung von Gewebe durch stumpfe Gewalt. Infolge einer Rückenmarksprellung kommt es durch die Gewebereaktion zur Bildung eines flüssigkeitsgefüllten Hohlraumes (s.u. Zyste) im Rückenmark.

M

Metabolismus

Die Gesamtheit aller chemischen Reaktionen des Organismus, die an Abbau und Umwandlung von aufgenommenen Stoffen (Nahrungsmittel, Sauerstoff) sowie Auf-, Um- und Abbau körpereigener Substanzen beteiligt sind.

Mirkoglia

Eine Art gewebespezifische (s.u. intrinsisch) Immunzelle des zentralen Nervensystems. Mikroglia „verschlingen“ tote Zelle und anderen „Unrat“.

Motorischer Cortex

Areal des Großhirns, zuständig für motorische Befehle.

Myelin

Dient der elektrischen Isolierung der Axone und gibt der „weißen Substanz“ ihre weißliche Färbung. Myelin ist für die Schnelligkeit und Zuverlässigkeit der Signalübertragung entlang der Nervenfasern von zentraler Bedeutung. Im zentralen Nervensystem (s.u. ZNS) wird die Isolierschicht von Oligodendrozyten (eine Art von Gliazellen) gebildet. Im peripheren Nervensystem (s.u. PNS) wird die Myelinscheide von sog. Schwann’schen Zellen gebildet.

N

Nervenleitung

Bezeichnet die Übertragung eines elektrischen Impulses vom Zellkörper einer Nervenzelle (s.u. Neuron) über den Zellfortsatz (s.u. Axon) zur Kontaktstelle (s.u. Synapse).

Neurofunktionale Erholung

Erholung des Nervensystems, die zur Wiedererlangung der Motorik und/oder der Sensorik führt.

Neuron

Nervenzelle

Neuroregeneration

Unter Regeneration versteht man die Fähigkeit eines Organismus, verloren gegangene oder beschädigte Teile zu ersetzen und deren Funktion wiederherzustellen. Der Begriff Neuroregeneration bezieht sich auf die Regeneration des Nervensystems.

Neurotransmitter

Chemische Stoffe, die von den Nervenzellen an den Kontaktstellen (s.u. Synapsen) freigesetzt werden und Informationen an andere Zellen weitergeben. Nervenzellen kommunizieren über Botenstoffe sog. Neurotransmitter. Diese Botenstoffe können Zellaktivitäten anregen, hemmen oder anderweitig beeinflussen.

O

Oligodendrozyten

Zählen zu den Gliazellen im Gehirn und im Rückenmark. Oligodendrozyten umhüllen die Nervenzellfortsätze (s.u. Axon) mit einer Isolierschichte (s.u. Myelin), was zu einer schnelleren und zuverlässigeren Impulsweiterleitung führt.

P

Paraplegie

Motorischer und sensibler Ausfall der unteren Körperhälfte, komplette oder inkomplette Lähmung (motorisch und/oder sensorisch) der Beine.

Peripheres Nervensystem (PNS)

Teil des Nervensystems, der außerhalb des zentralen Nervensystems (Gehirns und  Rückenmark) liegt.  Jene Nerven,  die vom Rückenmark zur Körperperipherie (Muskeln, Haut) ziehen und die Informationen vom Rückenmark in die Peripherie und von der Peripherie zurück ins Rückenmark transportieren.

Plastizität

Plastizität beschreibt den Umbau neuronaler und glialer (s.u. Gliazellen) Strukturen in Abhängigkeit von ihrer Verwendung. Die neuronale Plastizität kann einzelne Synapsen (s.u. Synapse), Zellen oder der ganze Hirn- bzw. Rückenmarksareale betreffen. Sie dient dazu, die Funktionen des Nervensystems zu erhalten, anzupassen und ggf. zu erweitern.

Pneumonie

Akute oder chronische Entzündung des Lungengewebes. Kann durch Bakterien, Viren oder Pilzen verursacht werden, selten auch durch Inhalation giftiger Stoffe oder immunologisch bedingt.

R

Remyelinisierung

Ohne intakte Myelinschicht können Nervensignale nur schwer weitergeleitet werden. Bei einer Rückenmarksläsion kommt es nicht nur zu einer Verletzung von Nervenzellen sondern auch zu einer Demyelinisierung. Als Remyelinisierung bezeichnet man die Wiederherstellung der beschädigten Myelinscheide (Markscheide) eines Nervs.

Rückenmarksegmente

Abschnitte, in die das Rückenmark der Länge nach gegliedert wird. Aus jedem spinalen Segment treten bestimmte motorische und sensorische Spinalnerven (s. u.) aus.

S

Sekundärschaden

Eine Schädigung des Rückenmarks in den Stunden und Tagen nach dem ursprünglichen spinalen Trauma hervorgerufen durch Reaktionen der Gewebezellen und des Immunsystems, die zu einer Vergrößerung des Verletzungsausmaßes führt.

Spastiken/Spasmus

Krampfartig erhöhter Muskeltonus.

Spinalnerven

Nerven, die vom Rückenmark in die Körperperipherie zu Muskeln und Haut verlaufen. Sie enthalten motorische und sensorische Nervenfasern, transportieren somit Informationen vom Rückenmark in die Peripherie und umgekehrt. Zwischen zwei Wirbeln der Wirbelsäule treten jeweils ein Paar Spinalnerven aus. Der Mensch besitzt insgesamt 31 Paar Spinalnerven. Spinalnerven gehören zum peripheren Nervensystem.

Subkutan

Steht für eine anatomische Ortsangabe, die sich auf das Gewebe unter der Haut bezieht. Diese Unterhaut besteht im Wesentlichen aus dem unmittelbar unter der Haut liegenden Binde- und Fettgewebe.

Synapse

Die Kontaktstelle zwischen dem Axon (s.u.) einer Nervenzelle und der Ziel- bzw. Empfängerzelle. Dies kann eine andere Nervenzelle oder eine Muskel- oder Drüsenzelle sein. An der Synapse schüttet das Axon einen chemischen Neurotransmitter (s.u.) aus, der durch einen winzigen Spalt diffundiert und sich an die Rezeptoren (s.u.) – gebildet durch Moleküle an der Oberfläche der signalempfangenden Zelle  - bindet, wodurch die Zielzelle angeregt oder gehemmt wird.

T

Tetraplegie

Komplette oder teilweise Lähmung der oberen und unteren Gliedmaßen, d. h. Verlust von sensorischer Wahrnehmung und Motorik in den Armen und Beinen.

V

Vegetative Dysreflexie

Fehlregulation des vegetativen Nervensystems. Kann zu einem lebensbedrohlichen Blutdruckanstieg, zu Schweißausbrüchen oder anderen vegetativen Reflexen als Reaktion auf einen Stuhlverhalt oder andere Reize führen.

Vegetatives Nervensystem (VNS)

Das vegetative Nervensystem - auch autonomes Nervensystem - umfasst alle Nervenzellen und Nervenfasern, die die Funktionen der inneren Organe (z.B. Kreislauf, Blutdruck, Atmung) sowie von Drüsen (z. B. Schweißdrüsen) und nicht dem Willen unterworfene Muskeln (z.B. Pupille, Haaraufrichtemuskel) kontrollieren..

W

Weiße Substanz

Die Teile des Gehirns und des Rückenmarks, die vorwiegend aus Leitungsbahnen (Nervenfasern) bestehen. Dem entgegen steht die sogenannte graue Substanz, die vorwiegend aus Nervenzellkörpern und Dendriten (s.u.) besteht. Die weiße Färbung entsteht durch die Mylinscheiden (s.u. Myelin)

Wiederaussprossen

Bezeichnet das Nachwachsen von abgetrennten Axonen (s.u.) unterhalb der Verletzungsstelle; im Idealfall verbinden sich die nachgewachsenen Axone mit den „geeigneten“ Zielzellen.

Wirbel

Die knöchernen Elemente der Wirbelsäule. Die Wirbelsäule besteht aus 7 Halswirbeln, 12 Brustwirbeln, 5 Lendenwirbeln sowie aus Kreuz- und Steißbein.

Wirbeltiere

Tiere, die über eine Wirbelsäule (bestehend aus einzelnen Wirbeln) verfügen. Hierzu zählen Säugetiere, Fische, Vögel, Reptilien und Amphibien.