Armin Curt, Paraplegikerzentrum Universitätsklinik Balgrist, Zürich, Schweiz

Zürich Move: Kabellose Sensortechnologie zur verbesserten Messung und Beurteilung der Bewegungseinschränkung

Gefördert in: 2016, 2017, 2018


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Problem: Messung und Beurteilung in der Bewegungseinschränkung von rückenmarksverletzten Patienten

Angriffspunkt: Methode zur kontinuierlichen Erfassung der unterschiedlichen Bewegungsarten

Ziel: Komplettes Bild über die motorischen Möglichkeiten des Patienten für die Auswahl der geeigneten Therapiemaßnahmen und die Motivation des Patienten

 

Abhängig von der Lokalisation und der Schwere kommt es bei einer Rückenmarksverletzung zu einer kompletten oder inkompletten Lähmung der Beine (Paraplegie) oder der Arme und Beine (Tetraplegie), und damit, unter anderem, zu einer verminderten Bewegungsfähigkeit (Mobilität). Das schränkt die Unabhängigkeit der Patienten in ihrem Alltag und die Teilnahme am öffentlichen Leben  massiv ein.

Es gibt eine Reihe von klinischen Tests, die Mobilität und Unabhängigkeit in der Akutrehabilitation zu untersuchen. Damit bekommt man allerdings nur einen eingeschränkten Blick auf die Verfassung des Patienten, der auf spezifische Zeitpunkte limitiert ist. Um ein vollständiges Bild von der Mobilität und Abhängigkeit/Unabhängigkeit des Patienten zu bekommen, braucht man eine zusätzliches Instrument, mit dem es möglich ist, die Aktivität des Patienten über den ganzen Tag, außerhalb der Therapiesitzungen und der klinischen Umgebung zu erfassen.

Tragbare Sensoren sind im Kommen und werden nicht nur benutzt um die physische Aktivität von Gesunden zu erfassen, sondern werden auch in Gesundheitsbereichen eingesetzt, z.B. um die Sturzgefährdung von Älteren oder den Gebrauch einer Hand/Arms nach Schlaganfall zu erfassen. Aufgrund ihrer geringen Größe, können tragbare Sensoren die physische Aktivität objektiv über einen längeren Zeitraum (Tage oder sogar Wochen) messen, ohne den Benutzer zu stören.

Die klinische Arbeitsgruppe benutzt die tragbaren Sensoren um kontinuierlich zu erfassen, wie und wie viel sich rückenmarksverletzte Patienten während ihrer Rehabilitation in der Klinik, aber auch später in ihrer häuslichen Umgebung bewegen.

Da manche Patienten gehen können, andere rollstuhlpflichtig sind, arbeitet die Gruppe an der Entwicklung neuer Methoden zur Erfassung dieser unterschiedlichen Bewegungsarten. So wurde eine Methode entwickelt, die messen kann, wieweit Patienten sich aktiv und unabhängig mit einem Rollstuhl fortbewegen und wieweit sie ohne eigenes Zutun geschoben werden.

Die Arbeitsgruppe sammelt außerdem eine große Menge an Daten über die Mobilität von rückenmarksverletzten Patienten um frisch verletzte Patienten mit Normwerten vergleichen und für sie individuelle Ziele festsetzen zu können.

Diese Instrumente helfen einerseits bei der Erfassung und Beurteilung der Bewegungseinschränkung von rückenmarksverletzten Patienten, während der ganzen Rehabilitationsphase und auch bei der Auswahl der geeigneten Therapiemaßnahmen. Andererseits sollen damit rückenmarksverletzte Patienten nach Verlassen der Klinik und zurück im Alltag zu einem aktiven Lebensstil motiviert werden.