Bonsan Bonne Lee, Prince of Wales Hospital and Neuroscience Research Australia, Sydney, Australia

Senkung der respiratorischen Komplikationen durch abdominelle funktionelle Elektrostimulation (FES)

Gefördert in: 2018, 2019, 2020


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Problem: Tetraplegie beeinträchtigt die Atemfunktion verbunden mit respiratorischen Komplikationen

Angriffspunkt: Elektrostimulation der Bauchmuskulatur (abdominale Funktionelle Elektrostimualtion) führt zu einer Verbesserung der Atmung

Zielsetzung: Demonstration der klinischen Evidenz und weltweite Übernahme dieser Technologie in die klinische Versorgung

 

Tetraplegie wird durch die Lähmung von Armen und Beinen charakterisiert, betrifft aber auch den Großteil der Atemmuskulatur, wie das Zwerchfell und die Interkostalmuskeln. Das beeinträchtigt die Atemfunktion und führt in der Folge zu Komplikationen wie Lungenentzündungen und zum Kollabieren von Lungenabschnitten. Das sind die wichtigsten Gründe für Krankheit und Tod bei tetraplegischen Patienten. Bis zu 68% der tetraplegischen Patienten zeigen in den ersten 6 Wochen (akutes Stadium) der Verletzung respiratorische Probleme. Eine Senkung dieser Komplikationen würde zu einer Verminderung von weiteren Krankheiten und Tod führen, die Rehabilitationszeiten verkürzen, die Lebensqualität verbessern und zu einer großen Kostenreduzierung für die Gesundheitssysteme führen.

Oberflächenstimulation der Bauchmuskulatur, die sogenannte Abdominale Funktionelle Elektrostimulation (FES) führt zu einer Kontraktion der Bauchmuskeln auch wenn sie gelähmt sind. Die Arbeitsgruppe konnte zeigen, dass wiederholte Anwendung der abdominalen FES die Atmungsfunktion bei tetraplegischen Patienten verbessert. Wenn auch die Atmungsfunktion ein Vorhersageparameter für respiratorische  Komplikationen ist, ist die Evidenz dafür, dass die abdominale FES die respiratorischen Komplikationen reduziert, bisher nur auf Einzelfälle beschränkt. Die Gruppe führt nun die erste prospektive, multizentrische, randomisierte und Placebo-kontrollierte klinische Studie durch, um zu zeigen, dass abdominale FES die respiratorischen Komplikationen bei Patienten mit hoher Querschnittslähmung senkt.

Der endgültige Nachweis der Wirksamkeit der abdominalen FES bei der Eindämmung der respiratorischen Komplikationen wird die schnelle Einführung dieser kostengünstigen und leicht anzuwendenden Technologie bei dieser gefährdeten Patientengruppe vorantreiben. Damit können zusätzliche Krankheiten und Tod, wie auch Rehabilitationszeit reduziert und die Lebensqualität verbessert werden, was zu einer Kostensenkung in den Gesundheitssystemen führt.

Bei dieser internationalen Studie arbeiten folgende Forschungsteams und klinische Gruppen zusammen: Neuroscience Research Australia, das Prince of Wales Hospital, und das Royal North Shore Hospital in Australia; das Indian Spinal Cord Injury Centre; das Chang Mai University Hospital in Thailand; die Queen Elizabeth National Spinal Injuries Unit und die University of Glasgow in Scotland; und das Bach Mai Hospital in Vietnam.