Stephen P. Estes, Shepherd Center, Inc., Atlanta, USA

Rückenmarksstimulation zur Ergänzung der aktivitätsbasierten Therapie

Gefördert in: 2017, 2018, 2019


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Problem: Spastizität ist schwer therapierbar und behindert oft die funktionelle Erholung nach einer Rückenmarksverletzung.

Angriffspunkt: Transkutane Rückenmarksstimulation (tcSCS) der Rückenmarksnerven während des Lokomotionstrainings

Zielsetzung: Diese Kombination soll die Spastizität reduzieren und die Lauffunktion deutlicher verbessern als Lokomotionstraining alleine.

 

Unwillkürliche Muskelaktivität, oft als Spastizität bezeichnet, ist ein bekanntes Problem nach einer Rückenmarksverletzung. Spastizität kann durch bestimmte Reize hervorgerufen werden oder spontan auftreten. Sie kann sich in Krämpfen, Klonus oder Steifigkeit, mit erhöhtem Muskeltonus äußern. Medikamente zur Behandlung der allgemeinen Spastizitätssymptome haben aber oft Nebenwirkungen, die die Rehabilitation beeinträchtigen können, wie z. B. Muskelschwäche. Eine Alternative zur medikamentösen Behandlung bieten Physiotherapien, aber die effektivste Therapiestrategie, um Spastiken in den Griff zu bekommen, wurden noch nicht gefunden. Eine Kombination verschiedener Physiotherapiestrategien könnte sich am besten eignen und dabei gleichzeitig die allgemeine Kontrolle für funktionelle Bewegungen verbessern.

Lokomotionstraining verbessert nicht nur die Lauffähigkeit, es lässt sich  damit außerdem eine Reduktion der Spastik erreichen. Wird Lokomotionstraining mit elektrischer Stimulation kombiniert, könnten die Vorzüge des Trainings weiter verbessert werden. Um die möglichen Vorteile dieses Kombinationsansatzes zu untersuchen, werden wir eine Art elektrischer Stimulation nutzen, die sog. transkutane Rückenmarksstimulation (tcSCS), um die Rückenmarksnerven während des Trainings anzuregen.

Um die Studienergebnisse schneller in die klinische Anwendung zu übertragen zu können, nutzt diese Studie einen pragmatischen Ansatz, d.h. in dieser Studie werden reale klinische Rahmenbedingungen und Vorgehensweisen angewendet. Die Teilnehmer werden ihr vom Physiotherapeuten verordnetes Standard-Lokomotionstraining durchführen, während sie tcSCS als zusätzliche Behandlung erhalten. Die Effekte des Lokomotionstrainings alleine werden dann mit der Kombination aus Lokomotionstraining plus tcSCS verglichen, speziell im Hinblick auf Spastizität und Lauffunktion.

Wir erwarten, dass die Kombination von tcSCS mit Lokomotionstraining eine deutlichere Reduktion der Spastik und deutlichere Verbesserungen der Lauffunktion liefern wird, als Lokomotionstraining alleine.

Die Ergebnisse dieser Studie könnten als neue Kombinationstherapie rasch zur Behandlung von Spastik angewandt werden und zur Verbesserung der Lauffunktion beitragen.