© Richie Hopson
Marios Papadopoulos und Samira Saadoun, St. George’s, University of London, London, UK

Multimodales Monitoring von Patienten mit akuter, schwerer Rückenmarksverletzung

Gefördert in: 2015, 2016, 2017


Zur Übersicht

Problem: Die Versorgung von rückenmarkverletzten Patienten in der akuten Phase ist sehr unterschiedlich, da es kein standardisiertes Monitoring gibt, die als Richtlinien für die behandelnden Ärzte gelten.

Ansatzpunkt: Anwendung einer neu-entwickelten Methode zur intraspinalen Druckmessung bei Patienten mit Rückenmarksverletzung.

Zielsetzung: Verbesserung der Versorgung von rückenmarksverletzten Patienten auf der Intensivstation.

 

Einführung: Die Versorgung von rückenmarkverletzten Patienten in der akuten Phase ist sehr unterschiedlich, da es mangels eines standardisierten Monitorings für das Rückenmark keine objektiven Richtlinien und -größen für die behandelnden Ärzte gibt. Die Arbeitsgruppe entwickelte eine Technik für die Überwachung des Drucks im Rückenmark bei rückenmarksverletzten Patienten, ähnlich der Überwachung des Hirndrucks, die für die Behandlung von Patienten mit Hirnverletzungen grundlegend ist.

Problemstellung: Eines der Studienziele ist die Entwicklung eines Mikrodialyse Monitorings, das stündlich Information über die Stoffwechselsituation im verletzten Rückenmark gibt. Eine zweite Fragestellung untersucht abnormale elektrische Aktivität an der Verletzungsstelle, sogenannte „spreading depolarisation“ d.h. sich ausbreitende Depolarisierungswellen. Drittens soll als Schlussfolgerung ein neues Konzept für die kontinuierliche Überwachung des optimalen Rückenmarksdrucks (cSCPPopt) entwickelt werden.

Methoden: In die Studie werden erwachsene Patienten mit einer schweren Rückenmarksverletzung eingeschlossen, die innerhalb von 72 Stunden operiert werden. Die Sonden für Druck und Mikrodialyse und die Elektroden werden an der Verletzungsstelle auf der Oberfläche des Rückenmarks plaziert. Bei 20 Patienten wird der spinale Druck und die Mikrodialysedaten gemessen, bei 10 Patienten werden die der spinalen Druck und die „spreading depolarisations“ (Entladung von Nervenzellen, die sich wellenartig ausbreiten) erhoben: das Konzept des cSCPP opt wird anhand der Daten von 65 Patienten untersucht.

Erwartete Ergebnisse: Es wird erwartet, dass die Mikrodialyse-Daten die notwendigen Informationen liefern, anhand derer die akute Patientenversorgung mit Rückenmarksverletzung ausgerichtet werden kann; so kann z.B. der Anstieg des spinalen Drucks zu einem abnormen Gewebestoffwechsel im Rückenmark führen. Ein erhöhter spinaler Druck ist somit ein Alarmzeichen für die behandelnden Ärzte und muss konsequenterweise gesenkt werden. Es wird auch erwartet, dass nach Rückenmarksverletzung „spreading depolarisations“ auftreten und schädigend wirken: Wenn diese Hypothese von den Daten belegt wird, wird das zu einer neuartigen Behandlung führen, mit der medikamentös die „spreading depolarisations“ verhindert werden. Außerdem wird postuliert, dass es möglich ist den kontinuierlich optimalen spinal Druck cSCPPopt zu definieren, an dem sich dann die Einstellung des spinalen Perfusionsdrucks ausrichten wird.

Intraoperative Visualisierung des Blutflusses innerhalb des verletzten Rückenmarks, dargestellt bei zwei unterschiedlichen Perfusionsdrücken des Rückenmarks (Methode: ICG Fluoreszenz)


Anwendung: Unsere Überwachungstechniken und das neue Konzept des cSCPPopt werden wahrscheinlich zu einer Verbesserung der Versorgung von rückenmarksverletzten Patienten auf der Intensivstation führen.