Wolfram Tetzlaff
Wolfram Tetzlaff 
Wolfram Tetzlaff, ICORD, Vancouver, Kanada

Kombinatorische Förderung der altersabhängigen Fähigkeit zur Nervenfaser Regeneration

Gefördert in: 2012, 2013, 2014, 2015


Zur Übersicht

Verletzte Nervenfasern im zentralen Nervensystem (ZNS) regenerieren nur in geringem Ausmaß, so dass es zu einer bleibenden Unterbrechung der Kommunikation zwischen Gehirn, dem Rückenmark und seinen Zielorganen und somit zur Lähmung kommt. Der Grund dafür ist multifaktoriell und liegt in
a) dem „erloschenen“ Axonwachstum von Nervenzellen im ZNS
b) der wachstumshemmenden Umgebung der Nervenfasern (Axone)
c) dem Fehlen von Wachstumsfaktoren an der Läsionsstelle.

Zusätzlich spielt bei der verminderten Regenerationsfähigkeit von Axonen das Alter eine zentrale Rolle.
Dieses Projekt kombiniert eine Reihe von Ansätzen, die an den oben genannten Angriffspunkten ansetzen, um ein Axonwachstum über eine längere Distanz oder gar eine Reinnervierung der Zielorgane zu erreichen.

Prof. Tetzlaffs Arbeitsgruppe untersucht eine Kombination folgender Interventionen

  • die Hemmung von PTEN  (ein Gegenspieler von mTOR, ein Molekül das für die Regeneration wesentlich ist)
  • die Transplantation von aus der Haut stammenden Vorläuferzellen, die zu
  • Schwann Zellen differenziert wurden (SKP-SCs) und
  • Trichostatin A, einem Histon Deacetylase Hemmer.


Dieser Kombinationsansatz basiert auf bereits publizierten Ergebnissen und folgenden Überlegungen:

  • Hemmung von PTEN verbessert die zelleigene Fähigkeit zur Regeneration von Axonen
  • Die transplantierten Zellen (SKP-Scs) überbrücken die Läsionsstelle
  • und bilden ein Substrat, auf dem die PTEN inhibierten Axone aussprossen können
  • die SKP-SCs schwächen die Entzündungsreaktion an der Verletzungsstelle
  • die transplantierten Zellen „remyeliniseren“ entmyelinisierte und regenerierende Axone, wodurch diese auch funktionell wiederhergestellt werden.


Der Einfluss des Alters auf die fehlende Regenerationsfähigkeit von ausgereiften Neuronen hängt zum Teil auch mit der Histon Acetylierung und damit Inaktivierung von DNA Abschnitten zusammen. Es wurde gezeigt, dass Gene, die für die Regenerationsfähigkeit wichtig sind, durch Histon Deacetylierung inaktiviert sind. Durch eine Behandlung mit Trichostatin A sollen wachstumsrelevante Gene wieder aktiviert werden und somit zusätzlich der Einfluss des Alters auf die Regenerationsfähigkeit abgeschwächt werden.