© Walter Eggenberger
Gabi Müller, Clinical Trial Unit, Swiss Paraplegic Centre Nottwil, Nottwil, Switzerland

Inspiratorische Kraft und respiratorische Komplikationen nach einer Rückenmarksverletzung

Gefördert in: 2016, 2017, 2018


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Problem: Hohe Querschnittsverletzungen können auch die Atemmuskulatur beeinträchtigen und so zu Lungenentzündungen führen

Angriffspunkt: Die Kraft der Einatmung kann als Vorhersage-Parameter dienen, um gefährdete Patienten zu identifizieren

Zielsetzung: Verbesserung der Prävention von respiratorischen Komplikationen und Reduktion der Sterblichkeit durch Lungenentzündung

 

Nach einer Rückenmarksverletzung kann auch die Atemmuskulatur durch die Läsion beeinträchtigt sein. Besonders tetraplegische Patienten haben oft keine aktive Muskulatur zur Ausatmung mehr. Deshalb ist Husten z.B. zur Befreiung von Sekreten ein großes Problem. Das könnte zur Entstehung einer Lungenentzündung führen, die noch immer eine der Hauptkomplikation nach einer Querschnittslähmung darstellt. Leider sind Parameter, die auf eine Pneumonie hinweisen, sog. Prädiktoren, weitgehend unbekannt. Nichtsdestotrotz kann die Atemmuskulatur durch bestimmte Übungen trainiert werden und es gibt erste Anzeichen dafür, dass die Kraft zum Einatmen einen Prädiktor für Lungenentzündung für querschnittsgelähmte Patienten darstellt, der veränderbar ist.

Die Hypothese besagt, dass die Kraft zur Einatmung ein hervorragender Prädiktor für die Entwicklung einer Lungenentzündung bei querschnittsgelähmten Patienten darstellt.

Methode: Wir werden eine internationale, longitudinale multizentrische Studie durchführen, um viele Daten über das Verhältnis von inspiratorischer Muskelkraft zu Lungenentzündung zu erhalten, sowie weitere wichtige Parameter zur Vorhersage des Risikos, an einer Lungenentzündung zu erkranken. In die Studie werden Patienten eingeschlossen, die nach einer Rückenmarksverletzung gerade mit ihrer aktiven Rehabilitation beginnen. Währenddessen werden Messungen zu vier standardisierten Zeitpunkten durchgeführt. Insgesamt nehmen an dieser Studie neun Rehabilitationszentren aus der Schweiz (4), Österreich (2), Australien (1) und den Niederlanden (2) teil. In den 2,5 Jahren während der Rekrutierungsphase wollen wir 550 Patienten in diese Studie einschließen. All diese Patienten werden regelmäßig Lungenfunktionstest unterzogen, sowie Messungen der Kraft der Atemmuskulatur. Außerdem werden sie zahlreiche Fragebögen zur Lebensqualität und zur Atmungssituation beantworten, sowie Trainingseinheiten und Behandlungen absolvieren.

Erwartete Ergebnisse: Diese Studie wird dabei helfen, der Entwicklung von respiratorischen Komplikationen vorzubeugen und hoffentlich zu einer Reduktion der Sterblichkeit aufgrund von Lungenentzündung nach einer Querschnittslähmung führen.

Mögliche klinische Anwendungen: Wenn es uns gelingt, Risikopatienten frühzeitig zu erkennen, können vorbeugende Maßnahmen wie z.B. Trainingseinheiten zur Stärkung der Muskulatur der Einatmung verschrieben werden.

 (Walter Eggenberger)
© Walter Eggenberger