Francois Giuliano, Versailles Saint Quentin University, Raymond Poincaré Academic Hospital, Garches, Frankreich

Gentherapie zur Wiederherstellung der Harnkontinenz und –entleerung bei neurogener Detrusorhyperaktivität

Gefördert in: 2017, 2018, 2019


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Problem: Neurogene Detrusorhyperaktivität (NDO) ist eine schwerwiegende Erkrankung, die zu Harninkontinenz und wiederkehrenden Blaseninfektionen führt

Angriffspunkt: Vektoren, die die Weiterleitung von fehlgeleiteten Informationen von der Blase zum Rückenmark hemmen

Zielsetzung: Veränderung der Behandlung von NDO durch Wiederherstellung der Harnkontinenz und der willentlichen Harnentleerung

 

Die Wiederherstellung der Harnkontinenz und der willentlichen Harnentleerung nach einer Rückenmarksverletzung stellt ein unerfülltes medizinisches Bedürfnis dar. Neurogene Detrusorhyperaktivität (Neurogenic detrusor overactivity, NDO) ist eine schwerwiegende Erkrankung, die zu Harninkontinenz, wiederkehrenden Harnwegsinfekten und, wenn sie unbehandelt bleibt, auch zu Nierenversagen führt und tödlich enden kann.

NDO betrifft den größten Teil der querschnittsgelähmten Patienten. Bei einer NDO senden afferente Nervenfasern der Blase abnormale Informationen von der Blase zum Rückenmark, was in der Folge zu chaotischen Blasenkontraktionen führt. Außerdem kommt es zu einem Verlust der Kontrolle vom Gehirn über das Rückenmark, der für das Fehlen der willkürlichen Kontrolle über die Harnentleerung verantwortlich ist.

Die aktuellen Behandlungsstrategien einer NDO haben eine Lähmung der Blase zur Folge. Intermittierende Katheterisierung (5-6-mal pro Tag) ist deshalb zur Blasenentleerung erforderlich. Das ist auch eine Ursache für die wiederkehrenden Harnwegsinfekte und für die bedeutende Abnahme der Lebensqualität der Patienten.

Wir entwerfen, bewerten und entwickeln Vektoren, die die Übertragung von abnormalen Informationen von der Blase zum Rückenmark über Blasenafferenzen hemmen ohne dabei eine Lähmung der Blase auszulösen. Die Vektoren werden in die Blase injiziert, um so die Afferenzen der Blase zu hemmen, indem deren intrazelluläre Signalausschüttung stillgelegt wird. Schließlich werden die Vektoren in einem Rückenmarksmodell auf Sicherheit und Effektivität geprüft und mit der bisherigen Behandlung, d.h. der Injektion von Botulinumtoxin, verglichen.

Mit diesem Projekt wollen wir eine Gentherapie entwickeln, um NDO ohne Blasenlähmung zu behandeln. Die neurologischen Schaltkreise zur Blasenentleerung bleiben somit für eine elektrische Stimulation durch einen implantierbaren Stimulator (bereits für den Menschen verfügbar) auf Abruf erhalten, und ermöglichen eine Blasenentleerung ohne Katheterisierung.

Wir wollen mit dieser Methode die Behandlung von NDO bei rückenmarksverletzten Patienten grundlegend verändern, indem wir Harnkontinenz und willkürliche Blasenentleerungen wiederherstellen.