Jan Schwab
Jan Schwab  © Martin Lugger
Jan Schwab, Charité-Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland

Die SCIentinel-Anschluss Studie - Untersuchung der humoralen Autoimmunantwort für eine patientenspezifische Therapie

Gefördert in: 2016, 2017, 2018


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Problem: Erhöhte Autoantikörper in Blutproben von rückenmarksverletzten Patienten

Angriffspunkt: Immunantwort nach Rückenmarksverletzung mit negativen Folgen

Ziel: Identifikation von Autoantikörperprofilen und der Bezug zu klinischen Komplikationen und der funktionellen Erholung

 

Frühzeitig nach einer Rückenmarksverletzung kommt es zu einer schädigenden systemische Immunantwort, die durch: i)   eine Immunreaktion gegen neuronale Strukturen, und ii) eine Schwäche des Immunsystems gekennzeichnet ist.

Beides, Autoimmunität und Infektionen, verstärkt durch die Immunschwäche, können den Krankheitsverlauf des Patienten beeinflussen und sind wahrscheinlich für eine schlechtere Erholung und den Verlust von neurologischen Funktionen nach Rückenmarksverletzung verantwortlich.

Problemstellung: In einer vorbereitenden Studie wurden 108 unterschiedlich erhöhte Autoantikörper in Blutproben von rückenmarksverletzten Patienten im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit Wirbelkörperfrakturen ohne Rückenmarksbeteiligung identifiziert. Es ist jedoch noch unklar, ob diese Autoantikörper nach der Rückenmarksverletzung neu aufgetreten sind und sich gegen das Gewebe des Zentralnervensystem (ZNS) richten. Die drei Hauptfragen sind deshalb: i) Entwickelt sich nach einer Rückenmarksverletzung eine Autoimmunität gegen Eiweißstrukturen des zentralen und peripheren Nervensystems? ii) Fördern Infektionen eine Autoimmunität? iii) Sind die Ziele der Autoantikörper funktionell relevant?

Methoden: Die SCIentinel-Anschluss Studie untersucht als erste multinationale prospektive Studie Hinweise auf Autoimmunität und den Einfluss auf die neurologische Erholung bis zu einem Jahr nach Rückenmarksverletzung. Es werden Blut und Liquorproben einer Gruppe von rückenmarksverletzten Patienten beginnend mit der ersten Woche bis zu 6 Monaten nach Verletzung auf Autoantikörper gegen ca.10.000 Proteine untersucht und mit denen einer Kontrollgruppe verglichen.

Erwartete Ergebnisse: Die identifizierten Autoantikörperprofile dienen einer tiefgreifenden Auswertung zur Definition von Autoimmunreaktionen nach Rückenmarkverletzung. Außerdem können die Autoantikörper Profile in Bezug zu klinischen Komplikationen und der funktionellen Erholung 1 Jahr nach Verletzung gesetzt werden. Das macht es möglich, die auslösenden Faktoren für die Autoimmunreaktion wie Infektionen zu bestimmen und auch ihre Auswirkung auf den Rehabilitationserfolg.


Anwendung: Die Charakterisierung der Patienten nach Auftreten und Schweregrad der Autoimmunantwort ermöglicht eine Einteilung der Patienten in Subgruppen auf deren Basis neu individualisierte Behandlungskonzepte für die Prävention von Sekundärschädigung entwickelt werden können.

Die Arbeit will dazu beitragen, die Autoimmunität nach Rückenmarksverletzung als Faktor, der zur Sekundärschädigung beiträgt, und als Angriffspunkt für eine spezifische Immuntherapie zu entziffern.