Steve Lacroix, Centre de recherche du CHUL, Université Laval, Quebec, Canada

Blockierung von Interleukin- 1 α – eine neuroprotektive Therapie bei Rückenmarksverletzung?

Gefördert in: 2018, 2019


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Problem: Die Entzündungsreaktion nach einer Rückenmarksverletzung trägt zur Sekundärschädigung bei

Angriffspunkt: molekulare Faktoren, die bei der Entzündung freigesetzt werden

Zielsetzung: eine neuroprotektive Therapie für Rückenmarksverletzungen

   

Über 4 Millionen Menschen leben mit einer Querschnittslähmung. Bei einer Rückenmarksverletzung kommt es zu einem Untergang von Nervengewebe an der Verletzungsstelle. Das löst eine Entzündungsreaktion aus, Immunzellen wandern in die Verletzung ein und sorgen für die Beseitigung der zugrundegegangen Zellen.  Es wird angenommen, dass die Entzündungsantwort aber auch zum Tod von benachbarten Nervenzellen und Myelin produzierenden Zellen, den Oligodendrozyten, beiträgt.  Die Folge ist eine weitere und ausgedehntere Schädigung des Rückenmarksgewebes und der Verlust von Myelinscheiden.

Aufgrund der äußerst geringen Fähigkeit des menschlichen Rückenmarks sich selbst zu regenerieren, führen die Schäden häufig zu bleibenden Funktionsverlusten, für die es bis jetzt keine Heilung gibt.

Unter den entzündungsauslösenden Faktoren sind Moleküle, die normalerweise nur innerhalb der Zellen zu finden sind, jedoch nach einer schweren Schädigung von den sich auflösenden Zellen freigesetzt werden. Eines dieser intrazellulären Moleküle, die auch Alarmsignale genannt werden, ist das Entzündungsprotein Interleukin 1α (IL1α ). IL1α befindet sich normalerweise im Zellkern und reguliert die Expression von Genen. Wenn es jedoch nach dem Untergang von Zellen freigesetzt wird, löst es eine starke Entzündungsreaktion aus. IL1α zeigt neben dieser entzündungsauslösenden Rolle auch eine Wirkung auf die Oligodendrozyten, es vermindert die Expression von Genen, die für das Überleben dieser Zellen verantwortlich sind.

Das Hauptziel dieses Projekts ist die zellulären und molekularen Mechanismen bei diesem Prozess zu klären, um so einen Angriffspunkt für eine Therapie nach Rückenmarksverletzung zu finden. Die Blockierung von Interleukin- 1 α oder davon abhängender Moleküle könnten die sekundäre Schädigung und Demyelinisierung des Rückenmarks verhindern, was von großer Tragweite für Verletzungen des Rückenmarks und Gehirns sowie für demyelinisierende Erkrankungen des ZNS wäre.