Forschungsprojekte und klinische Studien

Geförderte Projekte

Verbesserte Erholung nach Rückenmarksverletzung durch Hemmung der miRNA-155

Linda R. Watkins, Andrew D. Gaudet, University of Colorado Boulder Verbesserte Erholung nach Rückenmarksverletzung durch Hemmung der miRNA-155

Einfluss von FES auf die synaptische Plastizität und Integration von iPS-Stammzelltransplantaten

Philip J. Horner, Sean M. Barber, Alvaro Munoz, Houston Methodist Research Institute Einfluss von FES auf die synaptische Plastizität und Integration von iPS-Stammzelltransplantaten

Gentherapie mit  FGF22 als neue, neuronale Verbindungen fördernde Behandlungsstrategie bei Rückenmarksverletzung

Florence M. Bareyre, Institute for Clinical Neuroimmunology, Biomedical Center, Ludwig-Maximilians University Munich Gentherapie mit FGF22 als neue, neuronale Verbindungen fördernde Behandlungsstrategie bei Rückenmarksverletzung

Regulation der Plastizität des Rückenmarks und der spontanen Erholung durch Astrozyten nach Rückenmarksverletzung

Joshua Burda, Department of Neurobiology, University of California, Los Angeles Regulation der Plastizität des Rückenmarks und der spontanen Erholung durch Astrozyten nach Rückenmarksverletzung

Wie wirkt FES in Kombination mit Gangtraining bei der Rehabilitation von paraplegischen Patienten

Julio Furlan, Lyndhurst Centre, Toronto Rehabilitation Institute, University Health Network Wie wirkt FES in Kombination mit Gangtraining bei der Rehabilitation von paraplegischen Patienten

Überprüfung eines Big Data Ansatzes - hämodynamische Werte bei Rückenmarksverletzung als Vorhersageparameter

Adam Ferguson, Brain and Spinal Injury Center (BASIC), University of California San Francisco Überprüfung eines Big Data Ansatzes - hämodynamische Werte bei Rückenmarksverletzung als Vorhersageparameter

Unsere Forschungsschwerpunkte

Viele Wege führen ans Ziel

Sekundärschäden (Schutz intakter Zellen)
Nach einer Rückenmarksverletzung kommt es zu einem massiven Abbau von Nerven- und Stützzellen („Gliazellen“) in der Umgebung der Verletzungsstelle. Zielsetzung ist es, diese Sekundärschädigungen zu verhindern und damit den Patienten mehr Funktionen zu erhalten.

Plastizität
Bei einer Rückenmarksverletzung werden Substanzen in der Umgebung der verletzten Nervenfasern freigesetzt, die ein Wiederauswachsen der Nerven hemmen. Ziel ist es, diese molekularen Wachstumshemmer zu finden, zu analysieren und auszuschalten. Darüber hinaus sollen Faktoren und Mechanismen identifiziert werden, die die Re- oder Neuorganisation der Nervenverschaltungen steuern, um funktionelle Verbesserungen zu erreichen.

Regeneration
Ausgereifte Zellen im zentralen Nervensystem regenerieren nach einer Verletzung nur sehr langsam. Wings for Life fördert Projekte, die nach „Schaltern“ suchen, die das Wiederauswachsen und die Regeneration von Nervenfasern ermöglichen.

Neurorekonstruktion (Ersatz durch neue Zellen/Biomaterial)
Hoffnungsvolle Ansätze verfolgen die Zielsetzung, zerstörtes Gewebe durch Stammzellen und/oder Biomaterialien zu ersetzen und auf diesem Wege zur Reparatur von verletztem Rückenmarksgewebe beizutragen.

Remyelinisierung (Isolierung von Nervenfasern)
Verletzte Nervenfasern verlieren ihre Schutzschicht (Myelin). Ähnlich einem Stromkabel mit fehlender Isolierschicht sind diese „nackten“ Nervenfasern dann nicht mehr richtig leitungsfähig. Die Wiederherstellung der Schutzschicht (Remyelinisierung) ist ein entscheidender Forschungsansatz, den Wings for Life unterstützt.

Imaging (Bildgebung)
Es gibt viele positive Ergebnisse aus präklinischen Studien, z.B. ein verbessertes Wachstum der Nervenfasern. Allerdings fehlt es noch an bildgebenden Möglichkeiten, diese Veränderungen im Gewebe des Rückenmarks in vivo (im lebenden Organismus/Patienten) auch sichtbar zu machen. Das erschwert die ursächliche Zuordnung und die Vergleichbarkeit erzielter Ergebnisse. Wings for Life leistet in diesem Bereich Pionierarbeit, in dem es Forschungsprojekte fördert, die zum Ziel haben, eine bessere Bildgebung zu entwickeln.

Rehabilitation/Kompensationsbehandlungen
Forschungsprojekte in diesem Bereich zielen nicht auf die direkte Wiederherstellung des verletzten Nervensystems ab, sondern darauf, verloren gegangene Funktionen auszugleichen und so die Lebensqualität betroffener Patienten zu verbessern. Wings for Life fördert in diesem Bereich unter anderem Projekte zur Wiederherstellung der Blasenfunktion, zur Behandlung von neuropathischem Schmerz und zu neuen Rehabilitationsmethoden.


Wings for Life

Glossar

Im Glossar finden Sie eine Liste mit Fachbegriffen und anderen nicht geläufigen Begriffen.

Veranstaltungskalender

Wissenschaftliche Meetings

Auf Kongressen, Symposien und Meetings tauschen Forscher ihr Wissen untereinander aus. Hier finden Sie eine Übersicht wissenschaftlicher Veranstaltungen.

Stand der Wissenschaft

Ein Dogma und dessen Ende

 

Insbesondere auf dem Gebiet der Grundlagen- und präklinischen Forschung konnte Wings for Life in den letzten Jahren zahlreiche vielversprechende Projekte anstoßen. Der nächste große Schritt wird sein, erfolgreiche therapeutische Ansätze in die Klinik zu übersetzen.

Aufgrund des komplexen Krankheitsablaufs einer Querschnittslähmung verspricht die Kombination verschiedener Therapieansätze die besten Erfolgsaussichten. Stellvertretend seien nachfolgend vier Ansatzpunkte genannt:

Verringerung von Sekundärschäden
Bereits fortgeschritten ist die Suche nach Behandlungsmöglichkeiten für akut rückenmarksverletzte Patienten. Mehrere pharmakologische Ansätze werden bereits in klinischen Phase I/II Studien untersucht, wie z.B. Riluzole oder Minocyclin. Diese Medikamente sollen zusätzliche sekundäre Gewebeschäden verringern, um den Patienten mehr Funktionen zu erhalten. Eine kürzlich veröffentlichte Studie mit dem Medikament Minocyclin an der Universität Calgary zeigte positive Wirkungen auf die motorischen Funktionen.

Wachstumshemmer ausschalten
Nach einer Verletzung des Rückenmarks schränken verschiedene Zelltrümmer im Gewebe die Regeneration von Nerven stark ein. Sie signalisieren der Nervenfaser: „Stopp, hier geht es nicht weiter.“ Ein Beispiel für eines dieser Stoppschilder ist das Protein Nogo. Ein Antikörper gegen Nogo wird bereits in einer klinischen Studie für akut verletzte Patienten getestet (Prof. Dr. Martin Schwab, Nogo-Antikörper-Studie von Novartis). Dem Forschungsteam von Prof. Dr. Stephen M. Strittmatter (Mitglied des wissenschaftlichen Beratergremiums von Wings for Life) gelang es in einem Modell für chronische Rückenmarkverletzungen, gleichzeitig mehrere dieser Stoppschilder erfolgreich zu blockieren und damit deutliche funktionelle Verbesserungen zu erreichen.

Nervenfaserwachstum
Da eine ausgewachsene Zelle im zentralen Nervensystem die Fähigkeit, selbstständig zu regenerieren, größtenteils verliert, hat sich die Forschung auf die Suche nach Schaltern gemacht, die diese Fähigkeit regulieren. Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Zhigang He, Boston Children's Hospital, hat zwei molekulare Hemmer innerhalb der Nervenzelle identifiziert (PTEN und SOCS3), deren Ausschaltung zu einer Regeneration von Axonen in bislang nicht gekanntem Ausmaß führt.

Zellbasierte Ansätze
Aufgrund erfolgreicher präklinischer Projekte werden große Hoffnungen in Therapien mit Stammzellen gesetzt, da diese grundsätzlich in der Lage sind, Gewebegerüste zu bilden, Wachstumsfaktoren freizusetzen, neue Schaltkreise zu bilden und die Remyelinisierung zu fördern. Grundlegende Fragen zur Verträglichkeit einer Zelltransplantation ins verletzte Rückenmark werden seit 2011 unter der Leitung von Prof. Dr. Armin Curt, Uniklinik Balgrist, in einer ersten europäischen klinischen Studie (Phase I/II) mit neuralen humanen Vorläufer-/Stammzellen untersucht.


Die gezeigten Entwicklungen geben Hoffnung, dass die Chancen für Therapiemöglichkeiten näher sind denn je. Bis der Durchbruch in der Humanmedizin geschafft werden kann, sind allerdings noch intensive Forschungsaktivitäten erforderlich.

Unser Gütesiegel

Gutachter

Bei der Auswahl der Forschungsprojekte setzt Wings for Life auf die Expertise eines Beratergremiums und renommierter Gutachter. Die nachfolgende Liste besteht aus weltweit führenden Wissenschaftlern und Ärzten, die für Wings for Life die Forschungsprojekte vergangener Förderperioden in einem sogenannten Peer-Review-Prozess begutachtet haben.


Durch ihre ausgewiesene Expertise im jeweiligen Fachgebiet haben sie dazu beigetragen, dass das Förderkapital von Wings for Life optimal investiert werden konnte. Dank der hohen Qualität ihrer Begutachtung hat Wings for Life von der ersten Förderperiode an nur hochrangige Projekte in einem unabhängigen und transparenten Verfahren ausgewählt.

Publikationen

Wissenschaftlicher Austausch auf höchstem Niveau