© Walter Eggenberger

Wussten Sie, dass...


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viele Querschnittspatienten Schwierigkeiten beim Husten haben? Unser Kollege Wolfgang Illek ist Tetraplegiker und erklärt, woran das liegt.  

Die wenigsten Menschen machen sich Gedanken darüber, wann und wie sie bei einer Erkältung husten. Sie tun es einfach.
Bei mir war das genauso, bis ich 2004 folgenschwer mit dem Rad gestürzt bin. Dabei habe ich mir mein Rückenmark im Halswirbelbereich verletzt und mir eine hohe Querschnittslähmung zugezogen.
In der Folge ist mein gesamtes Immunsystem zusammengebrochen, ich bekam eine schwere Lungenentzündung. Den Schleim, der sich dabei bildete, versuchte ich vehement abzuhusten. Das gelang mir aber nicht. Mehr als ein Röcheln brachte ich nicht zustande. Ich hatte Panik, zu ersticken. Schließlich wurde ich abgesaugt – ein sehr schmerzhafter Vorgang. Die Ärzte sagten mir, dass durch die Lähmung auch meine Atmung beeinträchtigt ist. Je höher nämlich die Lähmung, desto weniger Muskeln hat man für die Atmung und eben das Husten zur Verfügung. Husten ist ein enorm wichtiger Schutzreflex der Lunge, um die Atemwege freizuhalten. Durch Husten wird abtransportiert, was die Atemwege blockiert. Der wichtigste Muskel für die Atmung, das Zwerchfell, funktioniert bei mir zum Glück noch, meine Zwischenrippenmuskulatur dagegen arbeitet nicht mehr. Daher muss ich mich beim Atmen und Husten voll auf mein Zwerchfell und meine Halsmuskulatur verlassen.
Heute – elf Jahre nach meinem Unfall – nutze ich eine Technik, die mir das Husten ein wenig erleichtert. Durch eine schnelle Vorwärtsbewegung meines Oberkörpers versuche ich, meine Bauchdecke und mein Zwerchfell während des Hustens zusammenzudrücken. So kann ich die Luft schneller herauspressen.
Trotzdem: Gerade in der kalten Jahreszeit bin ich sehr vorsichtig, um nicht krank zu werden. Die Sorge, dass aus einer kleinen Erkältung schnell eine lebensgefährliche Lungenentzündung entsteht, ist groß.

Im Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil wurde die Kraft der Atmung erforscht. Durch ein spezielles Atmungstraining haben Querschnittspatienten eine bessere Atemmuskulatur und können unter anderem besser husten. (Walter Eggenberger)
Im Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil wurde die Kraft der Atmung erforscht. Durch ein spezielles Atmungstraining haben Querschnittspatienten eine bessere Atemmuskulatur und können unter anderem besser husten.  © Walter Eggenberger


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