Wussten Sie, dass...


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viele Querschnittsgelähmte nicht mehr schwitzen können? Unser Kollege Wolfgang Illek ist Tetraplegiker und erklärt, woran das liegt.  

Ein typisches Szenario im Sommer: Das Auto erhitzt sich den ganzen Tag in der prallen Sonne, man steigt ein, und im nächsten Moment strömt es aus allen Poren. Schwitzen kann richtig lästig sein.
Zumindest dieses Problem habe ich nicht. Ich schwitze überhaupt nicht.

Wie mir ergeht es vielen Querschnittsgelähmten: Bei uns funktioniert die sogenannte Thermoregulation im Körper nicht. Warum eigentlich? Um eine Antwort auf diese Frage zu bekommen, muss man sich das vegetative Nervensystem genauer ansehen. Es besteht aus zwei Teilen: dem Sympathikus und dem Parasympathikus. Dieses System steuert alle Prozesse im Körper, die nicht willentlich ablaufen, wie Herzschlag, Atmung, Verdauung und eben auch das Schwitzen. Für Letzteres sind bestimmte sympathische Nerven verantwortlich, die das Rückenmark im Bereich zwischen Th3 und L2 verlassen. Von hier aus werden alle Schwei.drüsen des ganzen Körpers innerviert. Patienten, die einen Querschnitt unterhalb von L2 erleiden, können ganz normal schwitzen. Patienten mit einer Verletzung zwischen Th3 und L2 nur in bestimmten Bereichen. Und Leute wie ich mit einem kompletten Querschnitt oberhalb von Th3 überhaupt nicht.

Sechser im Lotto könnte man meinen. Aber weit gefehlt. Der menschliche Körper benötigt eine gleichbleibende Temperatur, um optimal funktionieren zu können. Die Enzyme (eiweißhaltige Biokatalysatoren), die viele unserer Lebensprozesse steuern und aufrechterhalten, laufen nämlich nur in einem engen Temperaturbereich rund. Wenn meine Körpertemperatur diesen Bereich verlässt, werde ich schwach und träge. Mir wird schwindelig und das Atmen fällt mir schwer. Im schlimmsten Fall könnte ich sogar einen Hitzschlag bekommen.

Normalerweise regelt der Körper die eigene Temperatur wieder automatisch runter. Sensoren stellen eine zu hohe Körpertemperatur fest und leiten diese Information an das vegetative Nervensystem weiter. Das wiederum sorgt dafür, dass Blutgefäße „weit gestellt“ werden, damit sich das warme Blut an der Oberfläche abkühlen kann. Außerdem wird Flüssigkeit zur Schweißproduktion abgezogen.
Dann werden überall auf der Körperoberfläche verteilte Schweißdrüsen aktiviert, welche die Flüssigkeit
auf die Haut abgeben. Durch die überschüssige Wärme des Körpers wird der Schweiß in Wasserdampf umgewandelt. Verdunstungskälte entzieht dem Körper Wärme. Man schwitzt so lange, bis die Temperatur wieder auf ihr Optimum von 37 °C gesunken ist.

Als Betroffener muss man sich andere Sachen überlegen, um die Körpertemperatur wieder runterzubekommen.
Ich zum Beispiel nutze Kühlelemente, Dosen oder nasse Laken und lege sie mir in den Nacken oder ins Gesicht. Außerdem hab ich ein Spritzerl, das eigentlich für Blumen ist. Damit sprüh ich mir einen feuchten Film auf die Haut. Und ich muss vorausdenken: Wo ist eine Klimaanlage, und wo ist Schatten, in dem ich mich und mein Auto parken kann. Alles ziemlich umständlich. Schweißflecken unter den Armen wären mir deutlich lieber.