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Wichtige Diskussionen über die Blase


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Ende des Monats trafen meine Kollegin Verena und ich Urologen und Neuro-Urologen beim 4. Internationalen Neuo-Urologie Meeting der Swiss Continence Foundation in Zürich. Dabei im Fokus: Probleme und Kontrolle der Blasenfunktion bei neurologischen Erkrankungen. Für uns hochinteressant. Kontinenz und Kontrolle über die Blase beeinflusst die tägliche Lebensqualität von Querschnittspatienten entscheidend. Außerdem geht es um die Folgen für die Nierenfunktion und somit die Gesundheit und Lebenserwartung des Patienten. In einer Erhebung von 2012 priorisierten Querschnittspatienten die Blasen/Darmfunktion als eine der wichtigsten Faktoren für ihr Leben.

Die Steuerung der Blasenfunktion erfolgt auf mehreren Ebenen des zentralen Nervensystems. Bei Ausfall des nervalen Einflusses von übergeordneten Zentren, wie bei der Querschnittslähmung, kommt es zu einer Störung der Funktionen. Beim diesjährigen Treffen wurde ein Workshop zu dem speziellen Thema „Blasenfunktion bei Querschnittslähmung“ angeboten. Die Stiftungen Wings for Life und der International Spinal Research Trust haben den Workshop unter dem Titel „Towards a catheter free patient with spinal cord injury“ mitinitiiert und gefördert. Gegenstand dieses Workshops: Was ist momentan State of the Art in der Behandlung und der urologischen Kontrolle von Patienten? Gibt es neue Behandlungskonzepte?

Ein Thema waren elektrische Stimulationstechniken für die Blase bzw. der Nerven, über die die Blasenfunktion gesteuert werden. Es wurden die verschiedenen Verfahren, alt bekannte wie die Brindley Stimulation aber auch noch nicht etablierte Verfahren wie die Stimulation über den Tibialnerv, mit ihren Vor- und Nachteilen heiß diskutiert. Auch der richtige Zeitpunkt für eine Neuromodulation – also Elektrostimulation - wurde thematisiert: Sollte sie akut erfolgen, um den Veränderungen in der Blasenfunktion, die durch den Verlust der Kontrolle durch das Gehirn erfolgen, vorzubeugen? Ist das klinisch überhaupt machbar, welche Methode ist geeignet? - Viel Stoff für ein intensive Auseinandersetzung.

Darüber hinaus wurde die Behandlung mit gängig eingesetzten Medikamenten (wie z.B, Botox) und noch neuen, sich in der experimentellen Prüfung befindende Pharmaka diskutiert.

Spannend war auch das Thema zur Bildgebung mittels funktionellem MRI*. Dies kann Ausschluss darüber geben, welche Gehirnareale beim Wasserlassen aktiviert werden. Kann man damit mehr Einblick in die Umbauvorgänge in den neuralen Regelkreisen nach eine Querschnittsverletzung gewinnen? Welche für den Patienten wichtigen Erkenntnisse lassen sich daraus ziehen? Alles wichtige und schwierige Themen und Fragestellungen in der Neuro- Urologie. Deren oberstes Ziel: Einerseits den oberen Harntrakt und die Niere vor Langzeitfolgen schützen und gleichzeitig die Kontinenz des Patienten erreichen. Da neben der Querschnittslähmung auch andere neurologische Erkrankungen wie z.B. die Multiple Sklerose oder die Parkinson Erkrankung, die Blasenfunktion beeinträchtigen, gewinnt das Feld der Neuro-Urologie zunehmend an Bedeutung.

Bisher gibt es zu wenige Spezialisten auf diesem Gebiet. Mit der Gründung einer Internationalen Gesellschaft für Neuro-Urologie, die bei dieser Konferenz vorgestellt wurde, will man dem entgegenwirken und junge Urologen mit neuen Impulsen für dieses Feld begeistern.