Weniger Sauerstoff verbessert Handfunktion


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Wie sehr Patienten mit einer Querschnittslähmung beeinträchtigt sind, hängt von der Schwere und der Höhe ihrer Rückenmarksverletzungen ab. Im Bereich der Halswirbelsäule sind fast immer auch die Hände betroffen, was bedeutet, dass Patienten sie nur eingeschränkt spüren, noch nach etwas greifen oder festhalten können. Das beeinflusst ihre Lebensqualität enorm. Die Handfunktion wieder herzustellen ist deshalb von großer Bedeutung.

Dr. Randy Trumbower und sein Forscherteam in den USA haben nun in einem Pilotprojekt sechs Patienten mit chronischer, kompletter Querschnittslähmung in ein spezielles Rehabilitationsprogramm mit aufgenommen. Dabei wurden sie während ihres Trainings mit einer geringeren Sauerstoffkonzentration in der Atemluft (akuter intermittierender Hypoxie) behandelt und ihre Handfunktion untersucht.

Was genau ist Hypoxie?
Hypoxie bedeutet, eine erniedrigte Sauerstoffkonzentration in der Atmungsluft. Wo eine stark verringerte Sauerstoffkonzentration lebensbedrohlich sein kann, wirkt sich ein leicht erniedrigter Sauerstoff in der Atemluft offensichtlich positiv aus. Der Mechanismus dahinter ist noch nicht endgültig geklärt; Wissenschaftler vermuten aber, dass die Hypoxie die Freisetzung von BDNF (brain derived neurotrophic factor) fördert und dadurch die Funktionserholung ausgelöst wird.

Bei der hier vorgestellten Studie trainierten die sechs teilnehmenden chronisch zervikal querschnittsgelähmten Patienten also ihre Handfunktion. In 15 Einheiten pro Tag erhielten sie Atemluft mit geringerer Sauerstoffkonzentration über eine Maske und trainierten dabei zwanzig mal das Öffnen und Schließen der Hand. Dies wurde fünf Tage wiederholt, anschließend die Handfunktion untersucht. Es zeigte sich, dass diese Form des Trainings sowohl die Muskelkoordination als auch die Funktion der Hand verbessern konnte.

Nächste Schritte
Noch – und wegen der geringen Anzahl der getesteten Patienten – ist noch nicht erwiesen, in welchem Ausmaß eine akute intermittierende Hypoxie die Handfunktion verbessern kann. Der nächste Schritt ist eine größere klinische Studie, die zeigen kann, ob die funktionelle Erholung anhaltend ist und bei welchen Patienten dieses Training erfolgreich eingesetzt werden kann.

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Quelle: “Effects of acute intermittent hypoxia on hand use after spinal cord trauma: A preliminary study”. Trumbower RD, Hayes HB, Mitchell GS, Wolf SL, Stahl VA. Neurology, September, 2017.