© Naim Chidiac

Wellen, Wind und Weltrekord


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Anke Brandt ist Profi-Kitesurferin. 2014 schaffte sie es schon einmal ins Guinness-Buch der Rekorde, nachdem sie den Inselstaat Bahrain surfend umrundet hatte. Im April dieses Jahres wollte Anke mehr. „Mein Ziel war es, von Bahrain bis nach Abu Dhabi zu surfen. Das sind 491 Kilometer und damit die längste Strecke, die eine Frau jemals mit einem Kite zurückgelegt hat“, erzählt die gebürtige Münchnerin. „Ich wollte meine Grenzen ausloten, Aufmerksamkeit für die Rückenmarksforschung schaffen und Spenden sammeln.“

Abenteuer Ozean
Bahrain war der ideale Ausgangspunkt für Ankes Tour. „Ich habe sechs Jahre lang hier gelebt und gearbeitet, kannte das Meer und das Wetter.“ Der Frühling versprach die besten Aussichten, weil der Wind am Persischen Golf auch nachts relativ konstant ist. „Mondschein war für meine Aktion auch enorm wichtig. In der Nacht ist es am Meer so, als würde man in ein schwarzes Loch fahren. In Verbindung mit der körperlichen Anstrengung und Ermüdung kann das sehr gefährlich werden.“


Am 17. April, einem Montag, war es kurz vor 15 Uhr nach monatelanger Vorbereitung endlich so weit. Anke startete ihren Kite. Eine fünfköpfige Crew begleitete sie zur Sicherheit mit einem Boot. Gleich am Anfang der Überfahrt geriet die 32-Jährige schon in Schwierigkeiten. Ihr Kite fiel ins Wasser, und Anke trieb wegen des starken Wellengangs in die Leinen. Eine gefährliche Situation. „Die Leinen waren um meine linke Hand gewickelt, und der Kite baute vollen Zug auf.“ Trotz starker Schmerzen gelang es Anke irgendwann, sich zu befreien. Die Crew atmete auf, und das Abenteuer Weltrekord konnte weitergehen.

Gedanken auf offener See
Nach einigen Stunden brach die Nacht herein. Sie war klar und der Himmel voller Sterne. Anke fuhr langsam, aber stetig. „Es war, als würde mir der Mond wie ein Scheinwerfer folgen.“ Das Boot half ihr, genügend Abstand zu den Gas- und Ölförderplattformen zu halten. Regelmäßig machte sie, im Wasser liegend, Pausen und stärkte sich, während der Schirm über ihr im Wind spielte. Nach einer langen Nacht stieg endlich die Sonne wie ein großer, orangefarbener Ball aus dem Meereshorizont empor. „Es war unendlich schön. Ich musste an meinen Vater denken, einen alten Seebären, der mir wohl die Liebe für Wind und Meer in die Wiege gelegt hat.“ Anke überkam eine friedliche Ruhe. „Ich dachte darüber nach, wie schlimm es sein muss, diese Freiheit nicht mehr zu fühlen, weil man körperlich eingeschränkt ist“, so die Spitzensportlerin. „Ich habe mich ja schon öfter verletzt, und es ist erstaunlich, wie der Körper sich heilt. Ein Wunder. Aber warum geht das nicht im Rückenmark? Das kann doch nicht sein …“ Um die Forschung zu unterstützen, hatte Anke im Vorfeld ihrer Reise eine Spendenaktion gestartet und ihr Umfeld um finanzielle Unterstützung für Wings for Life gebeten.

 (florianreimann.com)
© florianreimann.com

Neuer Weltrekord
Trotz einiger Hürden am Wasser hielt die Kitesurferin an ihrem Rekordvorhaben fest. „Die Überfahrt nach Abu Dhabi kostete mich dann doch weit mehr Zeit als erwartet.“ Nach 491 Kilometern und unglaublichen 30,5 Stunden auf dem Wasser ebbte der Wind ab, und die Sportlerin beendete ihre Mission. „Mit blutigen Fingern wickelte ich die Leinen auf und ließ die Luft aus dem Kite.“ Glücklich, müde und voller Dankbarkeit sank sie auf den Boden.In der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate durfte sie die o¢zielle Urkunde von Guinness World Records entgegennehmen. „Das war nur dank meinem Team aus Freunden, Familie und Sponsoren möglich.“
Ankes Spendenaktion brachte 2.000 Euro, die sie an Wings for Life und damit an die Rückenmarksforschung spendete. „Ich freue mich, dass Querschnittsverletzte damit wieder mehr Hoffnung auf Heilung bekommen.“

 

ES MUSS JA NICHT GLEICH EIN WELTREKORD SEIN ;-)
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