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Joshua E. Burda, PhD. ist Neurowissenschaftler an der University of California, Los Angeles und untersucht die Rolle von Astrozyten. Ein persönliches Kurzinterview. 

Stadt oder Land – wo fühlen Sie sich am wohlsten?
Ich mag beides. Ich wohne in West Hollywood, Los Angeles. Von dort bin ich schnell in der Natur. Perfekt für mich, denn in meiner Freizeit campe ich gerne, gehe wandern und vor allem Rad fahren.

Was motiviert Sie, jeden Tag zur Arbeit zu gehen?
Für mich ist es eine Ehre, an etwas Sinnvollem zu arbeiten. Da draußen sind eine Menge Menschen, die auf uns Forscher zählen und auf eine Heilung warten. Das erzeugt Druck, ist gleichzeitig aber sehr motivierend.

Kennen Sie jemanden, der querschnittsgelähmt ist?
Ja, ein guter Schulfreund von mir hatte als Teenager einen Unfall und ist seitdem im Rollstuhl. Er ist übrigens auch Neurowissenschaftler.

Können Sie uns Ihr Forschungsprojekt in wenigen Worten beschreiben?
Bei Patienten mit einer inkompletten Querschnittslähmung sieht man oft eine spontane Erholung, das heißt, bestimmte Funktionen kommen wieder zurück. Wir gehen davon aus, dass sich die Nervenschaltkreise restrukturieren und neue Verbindungen geknüpft werden. Dieser Prozess ist noch nicht vollständig erforscht, dennoch sind wir der Überzeugung, dass spezielle „Helferzellen“ namens Astrozyten eine entscheidende Rolle dafür spielen. In meinem Projekt möchten meine Kollegen und ich molekulare Signalwege aufdecken, die die Astrozyten und Nervenzellen dabei aktivieren. Mit diesem Wissen möchten wir dann Therapien für eine bessere Regeneration des Nervensystems entwickeln.

Wie viel weiß man über die biologischen Vorgänge einer Rückenmarksverletzung?
Um die 20 Prozent, würde ich sagen. Das sieht nach wenig aus, aber wir sprechen von einem sehr komplexen Problem. Die gute Nachricht ist, dass wir womöglich gar keine 100 Prozent für eine Heilung benötigen. Das entscheidende Puzzlestück ist vielleicht nur ein paar Experimente entfernt.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Ich würde gern ein eigenes Labor leiten, am liebsten in einem biomedizinischen Forschungsinstitut in Kalifornien. Mein Ziel ist es, weiterhin mit Michael Sofroniew und den anderen Kollegen zusammenzuarbeiten. Mit ihnen gemeinsam möchte ich die biologischen Prozesse nach der Verletzung entschlüsseln und effektive Behandlungsmöglichkeiten entwickeln.

Wann wird es Ihrer Meinung nach eine Heilung geben?
Diese Frage wird mir auch oft von meiner Familie und Freunden gestellt. Ich glaube fest daran, dass wir in naher Zukunft wirksame Therapien finden und die Folgen einer Querschnittslähmung schrittweise heilen können. Wir leben in einer sehr spannenden Zeit. Mittlerweile haben wir ein enormes Wissen und leistungsfähige Werkzeuge. Die Kombination aus beidem sorgt dafür, dass die Wissenschaft gerade unfassbar schnell vorankommt.


Wings for Life fördert Dr. Burda in einem Forschungsprojekt, das die Rolle von Astrozyten bei der spontanen Erholung von Funktionen nach einer Rückenmarksverletzung untersucht. Mehr Informationen finden Sie hier.