Querschnittsgelähmt über Nacht


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Die Brasilianerin Gisele Nogueira zieht sich eine Rückenmarksverletzung zu. Und das während sie schläft. Im Interview wollen wir mehr über die 35-Jährige erfahren.

Kannst du uns ein bisschen von dir erzählen?
Ich bin Brasilianerin. Mit 19 habe ich neun Monate lang in Sydney gelebt. Zurück in Brasilien habe ich mein Studium für Controlling und Unternehmensplanung abgeschlossen.

Wie war dein Leben vor deinem Unfall?
Ich habe mich darauf fokussiert beruflich erfolgreich zu sein und hart für ein gutes Leben für mich, meine Familie und meine Freunde zu arbeiten. Ich wollte mit ihnen reisen und die Zeit genießen. Außerdem habe ich Sport geliebt, vor allem Schwimmen und Radfahren.

Was geschah dann?
Mein Unfall. Die Geschichte dazu ist sehr speziell... Ich bin Schlafwandlerin und nachts vom siebten Stock in den Innenhof meines Wohnhauses gestürzt. Das hat meine ganze Welt verändert. Ich habe mir mein Rückenmark auf Höhe des 11. und 12. Brustwirbels verletzt.

Du bist also ins Bett gegangen und im Krankenhaus wieder aufgewacht. Wie hast du die Zeit dort in Erinnerung?
Das erste Gefühl, das ich nach meinem Unfall spürte, war Dankbarkeit. Ich hatte überlebt. Die Zeit im Krankenhaus war hart. Ich musste drei lange Monate dort bleiben, habe aber immer versucht, meinen Sinn für Humor nicht zu verlieren. 

Wann wurde dir klar, wie schwer deine Verletzung ist?
Im Krankenhaus habe ich von meiner Querschnittslähmung erfahren, wobei mir das Ausmaß erst mit der Zeit wirklich bewusst wurde. Ich blieb stark und war davon überzeugt, dass ich Grenzen überwinden werde. Die Reha war sehr wichtig für mich und half mir, zurück ins Leben zu finden. Dank zurückgewonnener Funktionen kann kann ich heute beispielsweise wieder mit einer guten Körperhaltung sitzen und mit Hilfe eines Exoskeletts aufstehen und gehen.

Wie hast du dich zurück in die Normalität gekämpft?
Schritt für Schritt. Ich habe neue Wege entdeckt um die Dinge zu tun, die mir Spaß machen und die vor meinem Unfall so einfach waren. Ich schwimme zum Beispiel wieder gerne, fahre mein Handbike und reise mit meinen Freunden und der Familie.


Wenn man in einem armen Land lebt, hat man auch mit der schweren Erreichbarkeit zu kämpfen. Ich meide Orte ohne Rollstuhlzugang, auch wenn ich sie gerne besuchen würde.

Gibt es etwas, dass du aus deinem Leben vor dem Unfall vermisst?
Ich glaube nicht, dass ich etwas Bestimmtes vermisse. Ich habe meine Einstellung geändert um erfolgreich zu sein. Ich will weiterhin alles Mögliche tun und mich darauf konzentrieren, was mich glücklich macht. Und ich glaube weiterhin an eine Heilung von Querschnittslähmung. Es ist für mich die Hoffnung, dass das Leben wieder besser und einfacher werden kann.

Hast du Träume die Zukunft betreffend?
Ich lebe lieber jeden Tag anstatt zu träumen. Insgesamt ist es aber mein Traum, dass eines Tages niemand mehr ein eingeschränktes Leben führen muss, sondern es in vollen Zügen und selbstbestimmt leben kann.

Wir wollen Querschnittslähmung heilen. Hier können Sie uns unterstützen, oder am Wings for Life World Run teilnehmen. 100% jeder Spende gehen direkt in die Rückenmarksforschung.