© Marco Gröbner

Publikationen 2013: Teil 1


Zur Übersicht

Forschung lebt von enger Zusammenarbeit der Wissenschaftler untereinander und der Diskussion ihrer Ergebnisse. Ein klassischer Weg, Forschungsergebnisse öffentlich zu machen, sind Publikationen in Fachmagazinen. Sie dienen dem wissenschaftlichen Austausch und sind darüberhinaus ein Aushängeschild für die Qualität der jeweiligen Forschungsarbeit.

Auch Projekte, die von Wings for Life gefördert werden, werden regelmäßig veröffentlicht. Nachfolgend finden Sie einige ausgewählte Publikationen aus dem vergangenen Halbjahr.

Aktivierung des Typ-2 Cannabinoid Rezeptors verhindert die neuroprotektive and anti-entzündliche Wirkung des Glucocorticoid Receptors α:  ein Wirkstoffes ist besser als zwei.

Maria Teresa Viscomi, Journal Cellular and Molecular Life Sciences, Januar 2013

Die Rezeptoren Endocannabinoide und Glucocorticoide haben beide jeweils eine starke neuroprotektive Wirkung. Eine gleichzeitige Verabreichung beider Wirkstoffe sollte diesen Effekt noch steigern. Die Arbeit von Maria Teresa Viscomi zeigte jedoch genau den gegensätzlichen Effekt. Die schützende Wirkung auf das Gewebe wird deutlich unterdrückt.

Unabhängig von diesem Resultat stellt diese Studie mit dem Endocannabinoid Rezeptor einen neuen therapeutischen Angriffspunkt für chronisch entzündliche und neurodegenerative Erkrankungen vor.

Modulation der spinalen neuronalen Erregbarkeit  nach Rückenmarksläsion durch transkutane Stimulierung mit Gleichstrom

Dr. Marc Bolliger, Journal of Clinical Neurophysiology, Februar 2013

Spinale Regelkreise und Reflexe sind wichtig für die Ausführung normaler Bewegungen. Das Team von Dr. Bolliger untersuchte die Wirkung einer nicht invasiven, transkutanen Anwendung von Gleichstrom auf die Erregbarkeit spinaler Regelkreise. Mit ihrer Methode konnten spinale neurale Regelkriese nach Rückenmarksverletzung moduliert werden. Diese neue Stimulationsmethode soll helfen, das Auftreten abnormaler Bewegungen und Reflexe (z.B. Spasmen) unterhalb der Verletzungshöhe zu verhindern und dazu beitragen die Lebensqualität zu verbessern.

Der Nogo Rezeptor 1 bestimmt das Ausmaß der  anatomischen plastischen Veränderungen  des erwachsenen Gehirns

Dr. Stephen M. Strittmatter, Journal Neuron, März 2013

Alltägliche Bewegungen (z.B. Laufen oder Gehen) bewirken im Kindheits- und Jugendalter immer wieder eine Neubildung sowie Neuanordnung von synaptischen Verknüpfungen (Plastizität) im Gehirn. Diese Plastizität wird im Erwachsenenalter weitgehend unterdrückt. Eine Studie von Prof. Strittmatter mit Mäusen zeigte nun, dass die Unterdrückung nicht stattfindet, wenn man den sog. Nogo 1 Rezeptor ausschaltet. Der Nogo 1 Rezeptor ist also ein Faktor, der für die verminderte Plastizität im erwachsenen Gehirn verantwortlich ist, und könnte damit ein Ansatzpunkt für die Rehabilitation nach Verletzungen sein.

Bone morphogenetisches Protein verhindert die Differenzierung von ins verletzte Rückenmark transplantierten adulten Vorläuferzellen zu Oligodendrozyten

Dr. Beatrice Sandner, Journal Stem Cell Research, Mai 2013

Der Verlust von Markscheiden ist mitverantwortlich für die fehlende Erholung nach Rückenmarksverletzung. Durch eine Transplantion von neuralen Vorläuferzellen (sog. NPCs) versprach man sich eine Wiederherstellung dieser Myelinscheiden, bisher allerdings ohne Erfolg. Die Forschungsgruppe von Dr. Sandner hat daraufhin untersucht, ob eine gleichzeitige Transplantion von NPCs gemeinsam mit Stammzellen aus dem Knochenmark (sog. BMSCs) zu einer besseren Erholung führt. Auch das Ergebnis dieser Co-Transplantation zeigte keine Verbesserung. Man erklärt sich dies durch die Wirkung des Bone morphogenetischen Proteins (BMP) aus den BMSCs. Dieses Protein verhindert die Differenzierung der NPCs in Oligodendrozyten und damit eine effektive Remyelinisierung. 

Der Einsatz von Methylprednisolon bei akuter Rückenmarksverletzung in Deutschland

Dr. Jan M. Schwab, Journal Spine, Mai 2013

Das synthetische Kortikoid „Methylprednisolon“ hat zahlreiche Nebenwirkungen, eine positive Wirkung beim rückenmarksverletzten Patienten konnte nicht überzeugend nachgewiesen werden. In den USA ist daher die Vergabe von Methylprednisolon bei akuten Rückenmarksverletzungen deutlich zurückgegangen. Bezüglich des klinischen Einsatzes dieses Kortikoids in Deutschland, hat eine Studie von Prof. Jan Schwab ergeben, dass noch 55% der Institutionen Methylprednisolon verabreichen.