Markus Gfatterhofer
Markus Gfatterhofer  © Fritz Hauswirth

Optimistisch und voller Tatendrang


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Seit einem tragischen Unfall vor knapp sechs Jahren lebt der heute 21-jährige Markus Gfatterhofer mit Querschnittslähmung. Trotz dieses folgenschweren Einschnitts bleibt der sympathische Salzburger voller Tatendrang und verwirklicht seine neudefinierten Ziele: Einer seiner großen Wünsche ist es, Österreich bei den Paralympics im Monoskifahren zu vertreten. Neben dem vielen Training arbeitet Markus noch als Büroangestellter und holt abends seine Reifeprüfung nach. In einem Interview erzählt uns  Markus von seinem Unfall, dessen Folgen und neuen Perspektiven.

Wie und wann ist es zu deiner Rückenmarksverletzung gekommen?
Ich bin einer der wenigen, die es bei einem Extremsportunfall erwischt hat. Am 16. Juni 2007 bin ich bei einem Motocross-Rennen in Murau bei einem Sprung gestürzt. Dabei ist mir die Maschine ins Kreuz gefallen und hat mir den Brustwirbelbereich auf Höhe TH7 zertrümmert.

Was war dein erster Gedanke?
Alles war wie in Zeitlupe, vom Sturz bis zum Abtransport im Hubschrauber. Ich war bei vollem Bewusstsein und habe sofort realisiert, was passiert ist. In den Beinen hatte ich auf einmal kein Gefühl mehr, dafür aber ein Riesenkribbeln. Leider ist bei der ersten OP auch nicht alles optimal gelaufen. So musste man aus dem Hüftknochen Wirbel nachbilden, da diese zerbröselt waren. Bei der Einsetzung sind dann noch ein paar weitere Funktionen beeinträchtigt worden.

Wie hat sich dein Leben seither verändert?
Klar hat sich für mich und meine Familie auf einen Schlag sehr viel verändert. Durch die ganztägige Therapie blieb mir anfangs aber nicht viel Zeit zum Nachdenken. Und danach habe ich zum Glück auch sehr schnell zu neuen Sportarten gefunden, die mich erfüllen.

Was sind deine größten Barrieren?
Am meisten zipfen mich in Österreich die vielen Stiegen an. Es gibt fast nichts, wo man sich nicht helfen lassen muss. Schlimm ist auch, dass es kaum behindertengerechte WCs gibt. Meist sind diese zu eng oder die Tür geht nach innen auf. Die Chance, eine halbwegs geeignete Toilette zu finden, liegt bei 50/50.

Haben sich auch positive Aspekte aufgetan?
Definitiv, so weiß ich heute auch kleine Erfolge viel mehr zu schätzen. Zum Beispiel bin ich sehr dankbar, dass ich als Para mit meinem Handbike auf den Berg fahren oder im Winter durch den Tiefschnee heizen kann. Viele andere können das nicht.

Welche Ziele hast du dir nach deinem Unfall gesteckt?
Mein vorrangiges Ziel nach der Erstversorgung war, so viele Funktionen wie möglich durch Therapien zurück zu gewinnen. Seit einiger Zeit konzentriere ich mich darauf, beim Monoski unter die Top Vier Österreichs zu kommen.

Was ist dein größter Wunsch?
Ich möchte unbedingt mit dem Monoski bei den Winter-Paralympics teilnehmen. Wenn es nächstes Jahr in Sotchi noch nicht klappen sollte, arbeite ich auf die Spiele 2018 in Südkorea hin. Und natürlich habe ich im Hinterkopf den großen Wunsch, eines Tages wieder gehen zu können. Wieder Sand unter den Füssen spüren zu können, das wäre ein Traum.

Verfolgst du die Entwicklung der Rückenmarksforschung und was gefällt dir an Wings for Life?
Klar, da ich in der Nähe von Salzburg wohne, kann ich bei der jährlichen Wissenschaftskonferenz vorbeischauen. Ich finde es super, dass Wings for Life das Problem bei der Wurzel packt und ausschließlich auf die Forschung ausgerichtet ist. Denn alles andere kann ich auch selber beeinflussen.

Auch Sie sind nach einer Verletzung des Rückenmarks querschnittsgelähmt und möchten Ihre Geschichte teilen? Dann schicken Sie uns doch eine Nachricht an: office@wingsforlife.com. Wir würden uns sehr freuen.