Nebenwirkungen einer experimentellen Therapie


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Im letzten Jahrzehnt wurden große Erwartungen in Stammzellen gesetzt, da diese als „Alleskönner“ gelten. Man erhoffte sich dadurch eine Behandlungsmöglichkeit für die Rückenmarksverletzung. Die Hoffnung besteht immer noch, aber es ist klar, dass zellbasierte Therapieansätze in gut geplanten, kontrollierten klinischen Studien gründlich geprüft werden müssen.

Es hat schon immer Bedenken und Warnungen gegeben. Stammzellen verfügen über die Fähigkeit, sich in verschiedene Zellen zu entwickeln. Sie können aber auch unerwünschtes Wachstum zeigen und schlimmstenfalls einen Tumor bilden. Trotzdem gab es viele Behandlungsansätze mit nicht geprüften Zelltherapien.

Vor zehn Jahren wurde am Hospital de Egas Moniz in Lissabon, Portugal, eine experimentelle Behandlung mit Stammzellen der Riechschleimhaut durchgeführt. Diese Behandlung wurde nicht von Wings for Life gefördert. Riechschleimhaut enthält stammzell-ähnliche Vorläuferzellen und spezifische Gliazellen, die sogenannten olfactory ensheathing cells (OECs). Beiden Zellarten wird Regenerationspotential bei Rückenmarksverletzung zugeschrieben. Im Rahmen dieser Studie wurden einer 18-jährigen paraplegischen Patientin Zellen der Riechschleimhaut in das Rückenmark implantiert.

Die Patientin zeigte jedoch keine Verbesserung durch die Behandlung. Acht Jahre später klagte sie über andauernde Rückenschmerzen. Untersuchungen an der Universitätsklinik in Iowa ergaben an der Implantationsstelle eine Wucherung am Rückenmark. Der Druck gegen das Rückenmark verursachte die Schmerzen. Nach Entfernung bestätigte sich, dass der Tumor von den Zellen der Riechschleimhaut stammte, die vor acht Jahren implantiert worden waren, wie die Mediziner der Universitätsklinik IOWA in der Zeitschrift Journal of Neurosurgery: Spine berichten.

Was ist schiefgelaufen und was kann man daraus lernen?

Die Autoren des Artikels stellen klar, dass dieses Ergebnis Wissenschaftler und Kliniker nicht davor abschrecken sollte, zellbasierte Therapien zu entwickeln. 

Aber in Hinblick auf die Sicherheit der Patienten kann man folgende Schlüsse ziehen:  a) es ist ein besseres Verständnis dafür notwendig, wie das Wachstumspotential von implantierten Zellen kontrolliert werden kann, b) aufgereinigte Zellen und bereits vordifferenzierte Zellen mit einem eingeschränkten und gerichteten Wachstumspotential sind wahrscheinlich sicherer und 

c) bei zellbasierten klinischen Studien ist zur richtigen Einschätzung des möglichen Risikos für die Gesundheit des Patienteneine längere Nachbeobachtungszeit notwendig.

Patienten, die die Teilnahme an einer experimentellen Studie erwägen, finden einen Leitfaden mit wichtigen Hinweisen hier