Dr. Christian Görtiz
Dr. Christian Görtiz   © Ulf Sirborn

Narbenbildung verstehen


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Nach einer Rückenmarksverletzung können die geschädigten Fasern im Rückenmark kaum regenerieren, Bewegungen und Gefühlsempfindungen sind damit eingeschränkt oder ganz unmöglich. Verantwortlich dafür ist unter anderem eine Narbe aus unterschiedlichen Zellarten, die sich um die verletzte Stelle bildet.
Um das genauer zu verstehen hat Wings for Life vor einigen Jahren begonnen, ein innovatives Projekt am Karolinska Institut in Schweden zu unterstützen. Eine Gruppe von Wissenschaftlern unter der Leitung von Dr. Christian Göritz und Dr. Jonas Frisén konnte ein vielversprechendes Ergebnis vorweisen: hemmt man einen Teil der Narbenbildung, wird die Regeneration gefördert.

Was steckt dahinter?
Nach einer Verletzung ist das Gewebe verheerend zerstört. Es bildet sich eine Narbe, um das verletzte Gewebe abzudichten und die Entzündung einzudämmen. Sie besteht aus zwei Hauptkomponenten: der sogenannten fibrotischen Narbe – einer festen Narbe aus Bindegewebszellen - und der Glianarbe.


Letztere wird vorwiegend von Astrozyten gebildet. Es gibt Hinweise, dass diese Glianarbe vorteilhaft wirkt, die harte fibrotische Narbe dagegen behindert die Regeneration dauerhaft.

Was nun herausgefunden wurde: die fibrotische Narbe wird hauptsächlich von Perizyten gebildet, einer Art von Zellen, die die Blutgefäße auskleiden. Mit diesem Wissen konnten Forscher auf genau diese speziellen Zellen abzielen, so die Narbenbildung begrenzen und schließlich die funktionelle Erholung von Empfindungen und Bewegungen fördern.

Wie geht es weiter?
Diese spannenden Ergebnisse könnten zu einem neuen vielversprechenden therapeutischen Ansatz führen, um zukünftig die Regeneration nach Rückenmarksverletzungen zu ermöglichen.

Die Studie wurde von Wings for Life unterstützt und in der renommierten Zeitschrift Cell veröffentlicht.

Quelle: “Reducing pericyte-derived scarring promotes recovery after spinal cord injury”. Dias DO, Kim H, Holl D, Werne Solnestam B, Lundeberg J, Carlén M, Göritz C, Frisén J. Cell, February 2018.