Meine Motivation, beim World Run teilzunehmen


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Der Österreicher Thomas Pechhacker (Jahrgang 1983) hat den Wings for Life World Run in Schweden gewonnen. Er hat uns geschrieben, wie er den Tag erlebt hat und warum er teilgenommen hat:

Der Hauptgrund für meine Teilnahme beim Premierenrennen war und ist mein Freund Wolfgang Illek aus meinem Heimatort Waidhofen in Österreich. Wolfgang sitzt nach einem Sportunfall selbst im Rollstuhl, arbeitet bei der Stiftung Wings for Life und ist natürlich sehr engagiert, die Rückenmarksforschung noch schneller nach vorne zu treiben. Wolfgang ist so ein toller, glücklicher Mensch und es wäre genial, wenn er wieder stehen oder gehen könnte, oder einfach nur wie jeder andere auch einen Löffel mit seinen Fingern halten könnte. Zusammen mit meiner Leidenschaft zu laufen, hatte ich also genügend Gründe, um an diesem Rennen für den guten Zweck teilzunehmen.

Mein Ziel war es, zu versuchen, einen Marathon unter 3 Stunden zu laufen. Ich wusste, dass mich das "Catcher Car" bis dahin noch nicht eingeholt hätte. Allerdings war das auch etwas ganz neues für mich, denn sowohl im Training als auch im Wettkampf bin ich noch nie weiter als 30 Kilometer gelaufen.

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Vor dem Start wurden auf einer Leinwand die Wettbewerbe der Rollstuhlfahrer aus verschiedenen Ländern gezeigt. Mit dabei war auch mein Freund Wolfgang. Ich sah ihn, wie er grinsend im Rollstuhl hart kämpfte, und bekam feuchte Augen.

Kurz darauf starteten die Läufer weltweit zur gleichen Zeit. In Schweden liefen wir zu Beginn recht locker über die eindrucksvolle Brücke vom Festland auf die Insel Öland. Nach 5 Kilometer und einer Zeit von 21:24 Minuten erhöhte einen 5-Mann-starke Gruppe das Tempo. Ich lief mit zwei Personen mit einem immer größer werden Abstand zur Spitzengruppe. Ohne Stress genoss ich die vielen Menschen entlang der Strecke und die wunderschöne Landschaft auf Öland. Kilometer 15 passierte ich in 1:02:37 Stunden und lief dabei an Langlauf-Olympiasieger Marcus Hellner vorbei. Bei Kilometer 20 zeigte die Uhr 1:23:41 Stunden. Kurz darauf überholte ich Mustafa Mohamed, der ein 22 Kilometer-Training absolvierte und mich anfeuerte. Von Kilometer 25 an (1:44:28 Stunden) war ich allein auf dem vierten Platz. Kilometer 30 passierte ich in 2:05:50 Stunden.

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Bei Kilometer 35 zeigte die Uhr 2:27:03 Stunden und da war ich schon auf dem dritten Platz. Bei 2:48:29 Stunden knackte ich die 40-Kilometer-Marke und überholte nochmals eine Person. Dann wurde es ziemlich hart. Aber ich erreichte mein Ziel und schaffte die Marathondistanz in zirka 2:59:00 Stunden. Ich verringerte meine Geschwindigkeit und hoffte eigentlich nur noch, dass mich das Catcher Car bald einholt.

Auf einmal sah ich bei Kilometer 44 den führenden Läufer zirka 500 Meter vor mir. Das gab mir die nötige Motivation und Kraft, meine Geschwindigkeit doch wieder zu erhöhen. Bei einer Erfrischungsstation an Kilometer 48 gelang es mir schließlich, an dem Führenden vorbei zu gehen. Ich wusste, dass ich maximal noch 15 Minuten habe, bis mich das Catcher Car überholt. Das funktioniert! Ich lief mit einem Schnitt von 4:30 Minuten/Kilometer und konnte so den Abstand zu meinem Verfolger ein wenig vergrößern.

Dann kam der große Moment. Nach 3:37:30 Stunden und 50,5 Kilometer überholte mich das Catcher Car. Ich hatte den schwedischen Wings for Life World Run gewonnen. Ich war muskulär sehr müde aber gleichzeitig sehr fröhlich und glücklich. Es gab ein kleines Fotoshooting und viele Glückwünsche, ein schönes Gefühl.



Anschließend wurde ich von Cornelia, einer wirklich netten Person von Red Bull Schweden, zurück nach Kalmar chauffiert. Es war interessant, den selbst zurückgelegten Weg zu sehen, das war wirklich lang. Cornelia stellte mir viele Fragen, warum ich teilgenommen habe und wie meine Vorbereitungen ausgeschaut haben. Es war ein tolles Gefühl, ihr in Schwedisch die Geschichte von Wolfgang zu erzählen, dass alles einen Hintergrund hat. Natürlich erzählte ich ihr auch, wie meine Vorbereitung ausgeschaut hat, wie üblich war das ein gutes Abendessen und zwei Bier, das brauche ich.

Mein Fazit: Ich bin sehr überrascht, dass ich das Rennen gewonnen habe und 50 Kilometer geschafft habe. Natürlich bin ich sehr glücklich, den lokalen Wings for Life World Run in Schweden als Österreicher zu gewinnen. Aber am wichtigsten ist, dass viele tausende Menschen auf der ganzen Welt für eine gute Sache gelaufen sind. Es war toll, Teil eines unbeschreiblichen Wettkampfes gewesen zu sein.