Matt King
Matt King  © David Robinson

„Meine grösste Barriere ist das Atemgerät“


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Seit dem Jahr 2004 lebt Matt King aus England mit Querschnittslähmung. Als damals 17-jähriger brach er sich sein Genick in einem Rugby-Spiel. Aufgrund seiner hohen Verletzungshöhe (C2) ist Matt auf ein Atemgerät angewiesen. In einem Interview erzählt er uns seine Geschichte.

Wie ist es zu deiner Rückenmarksverletzung gekommen?
Es passierte in meinem ersten Profispiel für die Broncos in der U-18 Liga. Wir spielten auswärts in Halifax. 20 Sekunden nach Spielbeginn bin ich in einen Tackle gegangen, wie schon tausende Male zuvor, aber dann ging etwas schief. Ich wusste sofort, dass ich mir mein Genick gebrochen hatte.

Was war dein erster Gedanke?
Dieses Gefühl wünsche ich wirklich niemandem. Stell Dir vor, Du bist 17 und das ganze Leben liegt eigentlich noch vor Dir. Und von einer Sekunde auf die nächste wirst Du mit dem Rollstuhl konfrontiert. Mein letzter Gedanke bevor ich bewusstlos wurde, war: Bitte lasst mich sterben.

Wie hat sich dein Leben seither verändert?
Vor meinem Unfall drehte sich bei mir alles nur um den Sport und Mädchen. Mein Wunsch war es, auch im später Beruf etwas Aktives zu machen. Ich wollte zur Royal Air Force gehen. Im Krankenhaus habe ich dann sehr dunkle Momente durchgemacht, insbesondere nachts. Ich wusste einfach nicht, was ich mit meinem Leben noch anstellen soll.
Irgendwann habe ich mir dann aber gedacht, ok, Du willst eine gewisse Lebensqualität haben. Anwalt zu werden, schien ein gute Option, denn dafür braucht man lediglich ein gutes Gehirn. Daraufhin bin ich zurück zur Schule und anschließend zur Universität. Heute bin ich in einer Londoner Kanzlei tätig.

Was sind deine größten Barrieren?
Meine größte Barriere ist definitiv das Atemgerät. Daneben gibt es natürlich noch zahlreiche weitere, aber diese Hürden kann man irgendwie meistern.

Haben sich auch positive Aspekte aufgetan?
Naja, jetzt wo ich wieder ein halbwegs geregeltes Leben führen kann, bin ich froh, dass ich auch etwas für die Gesellschaft tun kann. In meinem Job arbeite ich zusammen mit vielen fantastischen Charities.

Was ist dein größter Wunsch?
Mein nächstes Ziel ist die Teilnahme beim London Marathon. Langfristig gesehen, wünsche ich mir, dass ich genauso so ein erfülltes Leben führen kann wie jetzt gerade. Auch wenn es ein Klischee ist, versuche ich, aus jedem Tag das Beste zu machen.

Was erhoffst du dir von der Rückenmarksforschung?
Tetraplegiker wünschen sich ja oft, „lediglich“ dieselben Funktionsausfälle zu haben wie Paraplegiker. Die wiederum wollen wieder gehen können. Ich erhoffe mir vor allem, wieder aus eigener Kraft atmen zu können. Und natürlich hoffe ich, dass es eines Tages eine Heilung geben wird.

Auch Sie sind nach einer Verletzung des Rückenmarks querschnittsgelähmt und möchten Ihre Geschichte teilen? Schreiben Sie uns doch einfach kurz und formlos an office@wingsforlife.com. Wir würden uns sehr freuen.

 

 (David Robinson)
© David Robinson