© Dr. Jörg Ruschel

Krebsmedikament zeigt Wirkung bei Rückenmarksverletzung


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Eine von Wings for Life geförderte Arbeitsgruppe konnte zeigen, dass ein Medikament, das bereits für die Behandlung von Krebs zugelassen ist, die geschädigten Nervenfasern im Rückenmark zur Regeneration anregt. Die Behandlung mit dem Medikament reduzierte die Narbenbildung an der Verletzungsstelle und führte zu einer besseren funktionellen Erholung.

Positive Aspekte von Epothilone B

  • Epothilone B reduzierte die Narbenbildung, förderte die Nervenregeneration und führen zu einer besseren funktionellen Erholung
  • Epothilone B ist ein von der FDA für die Behandlung von bestimmten Krebsarten zugelassenes Medikament, was die Durchführung einer klinischen Studie vereinfachen würde
  • Epothilone B kann  die Bluthirnschranke passieren und somit systemisch gegeben werden, was eine klinische Anwendung deutlich vereinfacht


Die Arbeitsgruppe von Frank Bradke am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn, veröffentlichte vor kurzem den  Artikel „Systemic administration of epothilone B promotes axon regeneration after spinal cord injury“ in der Zeitschrift Science zur Wirkung von Epothilone B bei Rückenmarksverletzung. Der Wirkstoff Epothilone B wurde vor kurzem von der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA für die Behandlung von bestimmten Krebsarten zugelassen.  Epitholone verhindern die Teilung der Krebszellen, Angriffspunkt sind die Mikrotubli, das Gerüst der Zelle.

F. Bradke verwendet dieses Medikament bei Rückenmarksverletzung in niedriger Dosierung und konnte im Experiment zeigen, dass Epothilone B einen zweifach positiven Effekt hat. Erstens konnte es die Narbenbildung, die die Axonregeneration behindert, beeinflussen und führte an der Verletzungsstelle auch zu einer Verminderung der Moleküle, die die Axonregeneration hemmen Zweitens führte es durch die Stabilisierung der Mikrotubuli zu einer Aktivierung der Wachstumszone und zu einer Regeneration der Axone. Von Bedeutung ist, dass diese Effekte auch zu einer besseren funktionellen Erholung führte.



Epothilone hat noch einen anderen bemerkenswerten Vorteil: es kann die Blut-Hirnschranke überqueren, was die Anwendung deutlich vereinfacht. Die Blut-Hirnschranke schützt das Gehirn und Rückenmark vor „fremden Substanzen“ und stellt somit aber auch eine Barriere auch für viele Medikamente dar. Epothilone jedoch kann einfach in den Blutkreislauf injiziert werden, wird schnell aufgenommen, erreicht die Verletzungsstelle im Rückenmark  und lässt sich über mehrere Tage auf einem konstanten Spiegel halten.

Ein anderer entscheidender Vorteil ist, dass dieses Medikament gerade bei verschiedenen Krebsarten in viel höheren Konzentrationen, als die von der Arbeitsgruppe Bradke verwendeten, getestet wird. Das heißt, die pharmakokinetischen und toxikologischen Untersuchungen, die vor einer Zulassung für eine klinische Studie notwendig werden, sind bereits erfolgt.

Die Autoren ziehen den Schluss: „Der zweifache  Effekt und die Wirksamkeit nach ihrer systemischer Anwendung bei Rückenmarksverletzung bieten eine vielversprechende Perspektive für die klinische Anwendung von Epothilone bei einer Verletzung des zentralen Nervensystem “, so dass dieser Ansatz weiter verfolgt werden wird.