Klinische Studie mit Riluzol


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Bei einer akuten Rückenmarksverletzung kommt es infolge der Sekundärschädigung zu einer Ausweitung des Gewebeschadens. Der Einstrom von Natrium in die Nervenzellen, der durch die Verletzung ausgelöst wird, führt zu einer massiven Freisetzung des Überträgerstoffes  Glutamat. Glutamat ist unter gesunden Bedingungen für die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen und somit für die normale Funktion des Gehirns von wesentlicher Bedeutung. In hohen Konzentrationen wirkt es schädigend, es löst das Absterben von Nerven- und Gliazellen (Oligodendrozyten) aus, was zu einer Vergrößerung des funktionellen Schadens führt.
Riluzol ist ein Wirkstoff, der die Natriumkanäle in der Zellwand blockiert. In der akuten Verletzungssituation führt diese Eigenschaft zu einer Hemmung des Natriumeinstroms und verhindert somit die Glutamatfreisetzung.
Auch präklinische Studien mit Riluzol bei akuten Rückenmarksverletzungen hatten einen neuroprotektiven Effekt gezeigt, so dass sich das NACTN zur Durchführung einer klinischen Studie bei rückenmarksverletzten Patienten entschloss.

 


Zwischen April 2010 und Juni 2011 wurden an sechs klinischen NACTN Studienzentren 36 akut rückenmarksverletzte Patienten im Alter zwischen 18 und 69 Jahren und einem AIS Score A bis C in die Studie aufgenommen. 14 Tage lang bekamen die Patienten Riluzol. Darüber hinaus wurden die Patienten  entsprechend den üblichen klinischen Standards therapeutisch versorgt. Eine neurologische Statuserhebung erfolgte in der akuten Phase während des Klinikaufenthalts, nach drei und sechs Monaten.
Bei einer Vorstellung der Studie auf der Konferenz der Society for Neuroscience im November in New Orleans wurde berichtet, dass die Patienten eine funktionelle Verbesserung zeigten, im Durchschnitt verbesserte sich der AIS Score um 15%.
Aufgrund der geringen Patientenzahlen ist es schwierig aus den bisherigen Resultaten auf die allgemeine Wirksamkeit dieser Behandlung zu schließen. Da sich das Medikament aber im Hinblick auf Nebenwirkungen als „sicher" erwies, plant NACTN eine Phase 2 Studie zum Nachweis der Wirksamkeit mit einer größeren Anzahl von Patienten.

Originalarbeit: Riluzole for the treatment of acute traumatic spinal cord injury: rationale for and design of the NACTN Phase I clinical trial. Fehlings MG, Wilson JR, Frankowski RF, Toups EG, Aarabi B, Harrop JS, Shaffrey CI, Harkema SJ, Guest JD, Tator CH, Burau KD, Johnson MW, Grossman RG. J Neurosurg Spine. 2012 Sep;17(1 Suppl): 151-6.