„In der Luft fühle ich mich frei“


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Emil Straub ist seit einem Motorradunfall im Jahr 2008 von der Brust abwärts komplett gelähmt. Vergangenes Jahr hat der lebenslustige Allgäuer (Deutschland) mit dem Fallschirmspringen begonnen, erfolgreich seine Lizenz gemacht und mittlerweile schon 80 Sprünge absolviert. Wie das überhaupt mit eingeschränkter Rumpfkontrolle und gelähmten Beinen funktioniert, berichtet er uns hier.  

Wie ist es zu deiner Rückenmarksverletzung gekommen?  
Im Jahr 2008 war ich mit meinem Motorrad am Jochpass unterwegs, als mir in einer Kurve das Hinterrad wegrutschte und ich die Kontrolle über das Motorrad verlor. Ich wurde unter die Leitblanke geschleudert und habe mir dabei die Schulter, drei Rippen und meinen Rücken auf Höhe TH 6/7 gebrochen.

Was war dein erster Gedanke?
Ich versuchte mich unter der Leitblanke heraus zu ziehen und dachte erst, dass ich feststecke. Als ich meine Beine anfasste und nichts spürte, wusste ich sofort, dass ich schwerere Verletzungen haben muss. Ich wusste, dass ich auf den Notarzt warten und ruhig bleiben muss, um nichts zu verschlimmern. 

Wie hat sich dein Leben seither verändert?
Ich habe jetzt eine andere Sicht auf viele Dinge, die das Leben ausmachen, und schätze sie mehr als vorher. Außerdem wäre ich ohne den Unfall wohl nie zum Fallschirmspringen gekommen. 

Was sind deine größten Barrieren?
Die größten Barrieren sind für mich Dinge, bei denen man auf Hilfe anderer angewiesen ist. 

Was sind deine positiven Momente im Leben?
Zu sehen, dass man Dinge erreichen kann, von denen ein Großteil der Gesellschaft annimmt, dass sie unmöglich sind - wie in meinem Fall das Fallschirmspringen. 

Was ist dein größter Wunsch für die Zukunft?
Dass ich als querschnittsgelähmter Fallschirmspringer bei der Eröffnungsfeier der Paralympics einen Fallschirmsprung ins Stadion mache. 

Was erhoffst du dir von der Rückenmarksforschung?
Eine Verbesserung der Lebensqualität im Rollstuhl und irgendwann auch eine Heilungsmöglichkeit.

Du hast im letzten Jahr angefangen, Fallschirm zu springen. Wie ist das überhaupt möglich? Was waren die Herausforderungen?
Die erste Herausforderung war, einen geeigneten Sprungplatz für dieses Vorhaben zu finden. Nachdem ich Andy Boss kennengelernt habe, den Besitzer der Southsidebase in Schlierstadt, war der nächste Schritt, herauszufinden, ob es für mich möglich ist in der Luft stabil zu fliegen. Gemeinsam mit Andy habe ich mir ein Konzept überlegt und dieses in einem Windtunnel getestet. Die ersten Versuche waren leider ernüchternd. Erst nach ein paar Veränderungen an den Hilfsmitteln, die ich zum Springen benötige und einem zweiten Test im Windtunnel waren wir uns sicher, dass wir die Ausbildung ohne größere Risiken eingehen zu müssen starten können. Nach meinem ersten Sprung waren wir dann vollends überzeugt, dass es funktioniert. Ich habe meine Lizenz ohne größere Probleme bestanden und mittlerweile schon 80 Sprünge gemacht.  



Was gibt dir das Fallschirmspringen?
In der Luft fühle ich mich frei. In dem Moment, in dem ich aus dem Flugzeug springe zählt nur noch das Hier und Jetzt und alles andere wird Nebensache. Das ist das, was ich am Fallschirmspringen so liebe. 

Wie gefällt dir die Idee vom Wings for Life World Run?
Ich finde es eine tolle Sache, um auf Querschnittslähmung aufmerksam zu machen, da zwar jeder weiß, was eine Querschnittslähmung ist, jedoch nur die wenigsten wissen, was wirklich dahinter steckt.

Hast du teilgenommen oder Freunde von dir?
Leider konnte ich aus gesundheitlichen Gründen dieses Jahr nicht teilnehmen. Aber Freunde von mir haben teilgenommen.

Gibt es etwas, was du noch erwähnen möchtest?
Danke an all die Leute, die auf meinem Weg zum Fallschirmspringer an mich geglaubt haben und an die, die mich bei jedem Sprung unterstützen. Man muss an sich glauben und für seine Ziele kämpfen. The Sky is the limit! 

Mehr über Emils Abenteuer in der Luft erfahrt Ihr auf seiner Facebook Seite.

Fotos: Emil Straub, Salim Rubiales