Entscheidende Nervenfasern wachsen wieder


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Nach einer Rückenmarksverletzung erholen sich die meisten Patienten nur bedingt. Sie bleiben dauerhaft gelähmt und nur ein kleiner Teil ihrer Körperfunktionen kommt spontan zurück. Der Grund liegt darin, dass sich ein bestimmter Nervenfaserzug namens Kortikospinaltrakt kaum regeneriert.
Dieser Nervenfaserzug beginnt in der Hirnrinde (Kortex) und zieht von dort ins Rückenmark. Er setzt sich aus Axonen von mehr als einer Million Nervenzellen zusammen und ist sehr wichtig für die willentliche Steuerung der Muskeln von Körper, Armen und Beinen.

Fördernde Wirkung
Der von Wings for Life geförderte Professor Zhigang He und seine Arbeitsgruppe an der Harvard Medical School, veröffentlichten jetzt erstaunliche Ergebnisse. Sie zeigten in einem experimentellen Tiermodell, wie Nervenfasern in diesem Trakt wieder erfolgreich auswachsen und aussprossen.
Der Wachstumsfaktor IGF1 (Insulin like growth factor) beeinflusst und fördert die Entwicklung und das Wachstum der Nervenzellen. Nach einer Verletzung führt er alleine aber zu keiner Regeneration der Axone. Erst die Kombination mit dem Protein Osteopontin machte die Zellen ansprechbar für IGF und führte so zu einem Auswachsen der Axone im Kortikospinaltrakt.

Die richtige Kombi
Unter der Kombinationsbehandlung von IGF und Osteopontin konnte eine gewisse funktionelle Erholung bei einer Querschnittslähmung erreicht werden. Die Arbeitsgruppe wollte aber mehr und verabreichte zusätzlich 4-AP-MeOH (4-Aminoyridin-3 Methanol). Dieser Wirkstoff verbessert die Leitfähigkeit von Nerven, ist ein Abkömmling von 4-AP (4-Aminopyridin), das bei Multipler Sklerose eingesetzt wird und zeigt wenig Nebenwirkungen. Tatsächlich wurde mit 4AP-MeOH die Wirkung auf die funktionelle Erholung deutlich gesteigert.

Ein Querschnitt des Rückenmarks im Mikroskop:

Auswachsen von Nervenfasern (rot) auf die verletzte Seite (rechts) unter IGF
Auswachsen von Nervenfasern (rot) auf die verletzte Seite (rechts) unter IGF 

Auswachsen von Nervenfasern auf die verletzte Seite unter OPN
Auswachsen von Nervenfasern auf die verletzte Seite unter OPN 

Auswachsen von Nervenfasern auf die verletzte Seite unter OPN und IGF
Auswachsen von Nervenfasern auf die verletzte Seite unter OPN und IGF 

Wie geht es weiter?
Dieses Ergebnis ist erfolgsversprechend und ein erster Schritt in die klinische Anwendung, denn der Zeitpunkt der Behandlung - drei Tage nach der Verletzung - ist klinisch realistisch und machbar. In einem nächsten Schritt muss nun ein Weg gefunden werden, wie man OPN und IGF1 klinisch verabreichen kann.