„Ich wusste nicht viel mit der Diagnose anzufangen"


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Es passierte im Dezember 2012, kurz vor Weihnachten. Für die Jahreszeit waren die Temperaturen damals recht mild, sogar noch nach Einbruch der Dunkelheit. Am Abend war ich mit Freunden verabredet und beschloss die vier Meilen zwischen meinem Wohnort und dem Treffpunkt zu radeln. Ich war ein begeisterter Radfahrer, stieg fast täglich auf mein Mountainbike und befuhr anspruchsvolle Strecken in ganz England.

Bei meiner Heimfahrt fühlte ich mich fit. Es war schon spät, die Straßen aber trocken. Ich habe große Erinnerungslücken, aber laut Erzählungen war ich nur 500 Meter vor meinem Haus entfernt, als ich schwer stürzte. Offensichtlich habe ich einen Sprung mit dem Bike falsch eingeschätzt und rutschte mit dem Rad vom Gehweg. Mein Körper prallte auf eine kleine Mauer neben der Straße.

Auf dem Weg ins Krankenhaus hörte mein Herz zwei Mal auf zu schlagen. Danach verbrachte ich fünf Tage auf der Intensivstation bevor ich in eine Spezialabteilung für Rückenmarksverletzungen im Pinderfields Hospital, Wakefield verlegt wurde. Als mir die Ärzte klar machten, dass ich einen inkompletten Querschnitt auf Höhe C4/C5 erlitten habe, wusste ich nicht viel mit der Diagnose anzufangen.
In den Tagen danach wurde ich immer wieder vertröstet. Es wäre noch zu früh, um genaue Prognosen zu stellen und ich solle die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich mein Zustand vielleicht doch noch bessert.
Nach einiger Zeit wurde der Zuspruch der Ärzte aber weniger, ich musste mich mit einem Leben im Rollstuhl abfinden.

Zehn Monate verbrachte ich im Krankenhaus, bis ich entlassen wurde. Während dieser Zeit bekam ich unglaublich viel Unterstützung von Familie und Freunden. Erst letztes Jahr sammelten meine Freunde aus dem Motorsport Geld, damit ich mir ein FES Rad (Rad mit funktioneller Elektrostimulation) kaufen konnte. Mit etwas Hilfe benutze ich das Trainingsgerät 2 - 3 Mal pro Woche. Ich kann meine Schultern und alles darüber bewegen. Die Beweglichkeit funktioniert bei einem Arm ganz gut, beim anderen nur zum Teil. Meine Hände kann ich seit dem Unfall nicht mehr bewegen.


Trotzdem lege ich Wert darauf, so mobil wie nur möglich zu sein. Beim nächsten Wings for Life World Run in England will ich mit einem eigenen Team an den Start gehen.

Wenn ich nicht gerade mit meinem Körper arbeite, unternehme ich gerne etwas mit meiner Lebensgefährtin Cay.
Außerdem habe ich drei wundervolle Kinder, mit denen ich gerne mehr Zeit verbringen würde. Ich war auch immer ein großer Motorsport-Fan und würde gerne wieder einmal Beifahrer bei einer Rallye sein. 
Den Großteil meiner Zeit verbringe ich aber mit Lesen. Ich mag Bücher über Reisen, Motorsport-Magazine und Zeitungen. Mein größter Traum wäre es, die Seiten meiner Lektüren wieder selbst umzublättern...