© David Robinson

Ich hatte zwei Möglichkeiten: Aufgeben oder Weiterleben


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Seit einem Skiunfall im Februar 2000 ist Sean Rose aus England von der Brust abwärts gelähmt. Das plötzliche Schicksal bedeute jedoch nicht das Ende seiner sportlichen Laufbahn, sondern vielmehr den Beginn einer neuen. Seither ziert eine Reihe von Erfolgen die zweite Seite seines Lebenslaufes. Weltmeister im Wasserski, Weltcupsieger in der Abfahrt, Medaillengewinner bei den Winter-X-Games, zweifache Teilnahme bei den Paralympics und vieles mehr. Wir haben mit dem lebenslustigen Tausendsassa über seine Geschichte gesprochen.

Wie ist es zu deiner Rückenmarksverletzung gekommen?

Ich arbeitete damals als Sporttrainer für die Royal Air Forces. Am 25. Februar 2000, nachdem ich den Vormittag mit meinen Schülern am Osterfelder Skifahren war, habe ich mich auf eine markierte Piste begeben. Ich fuhr nur langsam, blieb plötzlich in einem Haufen aus nassem Schnee mit meinen Skiern stecken und landete kopfüber wie ein Speerwerfer. Sofort versuchte ich, mich wieder aufzurichten. Aber ich konnte mich nicht mehr bewegen und hatte auch keinerlei Gefühl mehr. Mir war direkt klar, dass ich mir den Rücken gebrochen hatte.

Was war dein erster Gedanke nach dem Unfall?

Zu diesem Zeitpunkt hoffte ich noch, dass die Verletzungen nur temporär wären und ich wieder genesen würde. Man kann gar nicht in Worte fassen, welche Gedanken einem da durch den Kopf gehen. Ist mein sportliches Leben, wie ich es kenne, nun vorbei?

Wie hat sich dein Leben seither verändert?

Auf gewisse Art und Weise hat sich mein Leben sehr positiv verändert. Ich habe realisiert, dass ich die Zeit und damit auch den Unfall nicht mehr rückgängig machen kann. Also warum sich quälen? Ich hatte zwei Möglichkeiten: Aufgeben oder Weiterleben. Ich entschied mich fürs Weitermachen und konnte daraufhin auch wieder lachen. Der sportliche Gedanke in mir keimte wieder auf und ich begann, eine Liste von Sportarten aufzuschreiben, die ich trotz Querschnittslähmung ausüben könnte. Diese Liste habe ich immer noch. Einige Dinge darauf habe ich schon abgehakt und ständig kommen neue Sportarten hinzu.  

Was sind deine größten Barrieren?

Abhängig von anderen zu sein, ist immer eine Barriere.

Was sind die positiven Momente in deinem Leben?

Das Leben endet nicht mit dem Rollstuhl, vor allem nicht, wenn man eine positive Einstellung und eine Leidenschaft für etwas hat. Meine schönsten Momente erlebe ich im Kreise meiner Familie. Ich habe eine tolle Frau, die auch im Rollstuhl sitzt, und zwei fantastische Kinder.

Was sind deine Zukunftsträume?

Mich permanent selbst herauszufordern. Ich mache gerne Dinge, die mich entweder zum Lachen oder aber an meine persönlichen Grenzen bringen. Dinge, welche die Erwartungen anderer Menschen übertreffen.

Was gefällt dir an Wings for Life?

Wings for Life hat die nötige Kraft, Menschen wieder aufzubauen. Ein Leben mit Querschnittslähmung ist nicht immer angenehm. Ich verfolge die Forschung und auch die von Wings for Life geförderten Projekte und glaube, dass diese eine Möglichkeit bieten werden, den Alltag von Menschen mit Rückenmarksverletzungen weitaus erträglicher zu machen.

Was sind deine Hoffnungen im Bereich Rückenmarksforschung?

Einen Weg zu finden, die Regeneration bei Akut verletzen Patienten zu steigern, und damit deren Lebensqualität zu erhöhen. Und auf lange Sicht erhoffe ich mir natürlich, dass Patienten auch die Bewegungsfreiheit ihrer Gliedmaßen wieder erlangen.   

Lesen Sie mehr über Sean Rose und sein neuestes Abenteuer „4 People 6 Legs“ auf: http://www.seanrose.co.uk/