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Gelähmter macht erste Schritte


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Diese Nachricht verbreitete sich vergangene Woche wie ein Lauffeuer. Einem britisch-polnischem Forscherteam gelang es im Rahmen einer experimentellen Zelltherapie, einem Querschnittspatienten sensorische und motorische Funktionen zurückzugeben. Wings for Life war in dem Projekt nicht involviert. Dennoch wurden wir oft gefragt, was genau die Wissenschaftler gemacht haben und wie wir über das Projekt denken.
 
Die Forschergruppe um Geoffrey Raisman und Pawel Tabakow veröffentlichte ihre Arbeit im Fachmagazin Cell Transplantation unter dem Titel  „Functional regeneration of supraspinal connections in a patient with transected spinal cord following transplantation of bulbar olfactory ensheathing cells with peripheral nerve bridging“. Laut diesem Artikel nutzten sie einen Kombinationsansatz, um willkürliche Bewegungen der unteren Extremitäten eines Patienten mit chronischer Rückenmarksverletzung wiederherzustellen.

In der Operation entfernten die Ärzte zunächst die gliale Narbe innerhalb des Rückenmarks. Dann klebten sie Teile des Wadennervs mit Fibrin in die Verletzungsstelle. Anschließend wurde eine Mischung von sogenannten „olfactory ensheathing cells“ und „olfactory nerve fibroblasts“ (Zellen aus der Riechschleimhaut mit Stammzell- und Bindegewebscharakter) injiziert. Um diese Zellen zu bekommen, wurde der Mann vorher einer Gehirnoperation unterzogen (Kraniotomie), in der ihm einer seiner beiden Riechkolben (bulbus olfactorius) entfernt wurde. Im Zuge dessen verlor der Patient einseitig seinen Geruchssinn, den er jedoch unerwarteter Weise bis zu einem gewissen Grad wiedererlangte.

Vor und nach der Operation erfuhr er ein intensives Rehabilitationstraining von täglich 5 Stunden für 5 Tage pro Woche.

Fünf Monate nach der Transplantation wurden die sensorischen Wahrnehmungen merklich besser. Zuerst kam das Gefühl in der Haut zurück, später war auch die Tiefensensibilität der Muskeln spürbar, d.h. der Mann merkte, in welche Richtung seine Muskeln während des Trainings gestreckt wurden. Auch konnte der Mann den Schmerz von einer Druckverletzung an seiner Hüfte fühlen. Während des andauernden Rehabilitationstrainings nahm die Dicke seiner Muskeln zu und nach 10 Monaten war er in der Lage, beide Beine willentlich heranzuziehen. Schließlich war es ihm auch möglich, mit Unterstützung einzelne Schritte zu gehen, wie in dem Video der Presseberichte zu sehen war.

Wings for Life freut sich sehr mit dem Patienten und den beteiligten Wissenschaftlern über das hoffnungsvolle Ergebnis. Die Behandlung mit diesem kombinatorischen Ansatz wurde bis dato an einem einzelnen Patienten durchgeführt. Wie Professor Raisman und Doktor Tabakow selbst anmerken, muss die erfolgreiche experimentelle Therapie nun in einer klinischen Studie mit einer größeren Anzahl von Patienten überprüft werden.