Jessica Kwok
Jessica Kwok  © Stefan Voitl

Forschen in Cambridge


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Jessica Kwok arbeitet zusammen mit James Fawcett am Cambridge Center for Brain Repair, ihr Forschungsprojekt wird von Wings for Life gefördert. Wir stellten Jessica Fragen zu diesem Projekt und ihrer persönlichen Motivation in der Forschung tätig zu sein.

Was motiviert Sie an Ihrer Arbeit?
Wir haben eine Klinik in unserem Institut und kommen daher täglich mit rückenmarksverletzten Patienten in Kontakt. In Gesprächen mit ihnen und ihren Familien merkt man schnell, dass selbst kleine funktionale Verbesserungen die Lebensqualität enorm steigern. Das treibt mich an.

Worauf fokussiert Ihre Arbeit?
Nach einer Schädigung im zentralen Nervensystem blockieren sogenannte inhibitorische Moleküle im Bereich der Verletzungsstelle die Reparatur der Nerven. Diese Moleküle - wie zum Beispiel CSPGs (Chrondroitinsulfat Proteoglykane) - verhindern die Wiederherstellung jener Nervenfasern, die eigentlich Regenerationspotential haben. Durch die Injektion des Enzyms Chondroitinase ABC (ChABC) werden diese blockierenden Wirkungen ausgeschaltet. Allerdings ist diese Art der Behandlung nur bedingt klinisch anwendbar. Mein Projekt zielt darauf ab, andere Wirkstoffe als ChABC zu testen, die die negativen Wirkungen von CSPGs ebenfalls neutralisieren können.

Warum ist die Behandlung von ChABC nur bedingt anwendbar und was erhoffen sie sich von einem ähnlichen Wirkstoff?
Aus unseren früheren Arbeiten wissen wir, dass die Wirkungsweise von ChABC grundsätzlich schon sehr vielversprechend ist. Das Enzym ChABC fördert Regeneration und funktionelle Erholung von Nervenzellen in präklinischen Modellen. Hauptproblem ist jedoch, dass die Verabreichung invasiv ist und wiederholt durchgeführt werden muss. Wir hoffen deshalb, eine praktischere und weniger invasive Behandlung zur Regeneration nach einer Verletzung des Rückenmarks zu entwickeln.

Wie bewerten Sie die zukünftige Entwicklung der Rückenmarksforschung?
Es ist und bleibt noch eine Herausforderung. Das Nervensystem ist komplex und alleine seine Funktionsweise zu verstehen, ist eine wirklich schwierige Aufgabe – mal abgesehen davon, wie es sich nach Verletzungen regeneriert. Dank all der engagierten Wissenschaftler auf diesem Gebiet haben wir in den letzten zehn Jahren jedoch ein grundlegendes Verständnis gewonnen. Die nächste große Aufgabenstellung ist es, von diesem Wissen Gebrauch zu machen und die Regeneration im Nervensystem zu verbessern. Es gibt ein paar interessante Moleküle, die gezielt als pharmakologische Angriffspunkte verwendet werden können. Einige wenige dieser Moleküle werden sogar schon in klinischen Studien getestet. Ich glaube, von den Ergebnissen all dieser Bemühungen werden Patienten mit Rückenmarksverletzungen in absehbarer Zukunft profitieren.